Gedanken zum Evangelium
Alles wagen für das Himmelreich
Um das Himmelreich zu gewinnen, müssen wir schon unser ganzes Leben einsetzen, alles wagen. So deutet Monika Porrmann, Referentin in der Kath. Landvolkshochschule Hardehausen, die Gleichnisse des Evangeliums.
Mensch, was Du liebst, in das wirst Du verwandelt werden! Gott wirst Du, liebst Du Gott, und Erden, liebst Du Erden!“
Das, was ich ganz und gar anstrebe, das wird Wirklichkeit. Prägnant bringt das so der barocke Arzt, Philosoph und Mystiker Angelus Silesius auf den Punkt. Eine wohlbekannte Volksweisheit sagt ganz schlicht: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!“ Und in der Bibel heißt es: „Der Glaube kann Berge versetzen!“
Und schon sind wir bei einer Kernaussage des Evangeliums vom 17. Sonntag im Jahreskreis. Es geht um das Himmelreich – also um das Ziel all unserer Träume und Wünsche. Das Paradies – die Perspektive schlechthin! Jesus nimmt die Sehnsucht seiner Zuhörer ernst, die einfach und klar wissen wollen, wie sie für sich persönlich den Himmel erreichen können. Jesus spricht typischer Weise in Gleichnissen, in verdeutlichenden Bildern, die mehr ausdrücken als eine sachlich beschreibende Sprache. Und das geduldig und zugewandt immer wieder – die Reihe der Gleichnisse im Matthäus-Evangelium ist lang. Gleichzeitig setzt jedes Gleichnis einen etwas anderen Akzent. Dem Unbeschreiblichen kann man sich nur in Bildern und Vergleichen annähern.
Das erste Bild für das Himmelreich: der Schatz, der vergraben ist und sich finden lässt. Zufällig, bei der normalen Alltagsarbeit, stößt der Bauer auf diesen Schatz. Und er hat „Augen, um zu sehen“. Sein Leben verändert sich schlagartig: er setzt alles auf eine Karte, nichts, was vorher wichtig war, zählt noch. Er löst sich von allem, um diesen Schatz zu erwerben. Wie es ihm damit weiter erging, scheint Jesus nicht erwähnenswert, denn der Mann ist am Ziel.
Wer träumt nicht davon, den Schatz seines Lebens zu finden – in einer klaren Lebensperspektive, in wegweisender Glaubensgewissheit. Oder auch in einem anderen Menschen, im Beruf, in Kindern, Beziehungen. Und dann alles andere dafür aufgeben? Dazu gehört eine große Portion Vertrauen und emotionaler Sicherheit – statt Zweifel, Vorsicht und Festhalten an Altem. Dazu gehören aber auch wache Sinne, um das Lebensglück im Alltag zu erkennen – und dann die Konsequenzen zu ziehen.
Das zweite Bild, wie ein Mensch das Himmelreich erreichen kann, spricht schon eine etwas andere Sprache. Während der Bauer seinen Schatz eher nebenbei findet, sucht der Kaufmann in Jesu Gleichnis ganz gezielt nach der schönsten Perle. Er hat vorher schon eine klare Vorstellung, was für ihn das Größte ist – und er macht sich unbeirrt auf die Suche. Wie lang dieser Weg war, scheint unerheblich: nur das Ziel wird beschrieben.
Das dritte Bild, mit dem Jesus seinen Zuhörern die Vielzahl der Wege beschreibt, das Himmelreich für sein eigenes Leben zu finden, spricht nicht mehr von Zufällen oder einer gezielten Suchbewegung, sondern von Alltagsmühen: die ganz normale Arbeit der Fischer führt dazu, die guten von den schlechten Fischen zu trennen, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden, durch gewohnte und treue Arbeit zum Ziel zu kommen.
Gleichzeitig nimmt Jesus dieses Bild des Aussortierens, um das Gericht am Ende der zur Verfügung stehenden Zeit zu verdeutlichen. Ob man den Himmel erlebt oder die Hölle, hängt davon ab, woran der Einzelne sein Leben festmacht. Dass jeder Mensch den richtigen Weg finden kann, wird an der Auswahl der Beispiele noch einmal sehr deutlich: der einfache, bodenverhaftete Bauer, der weitgereiste Kaufmann, der fleißige Fischer – sie alle erreichen auf ihre Weise das Himmelreich.
Zum Glück ist das Evangelium an dieser Stelle noch nicht zu Ende – Jesus setzt noch einen drauf. Drei Bilder, drei Zugangswege, drei Personengruppen reichen ihm nicht. Er wendet sich auch an diejenigen, die ihr Leben lang den traditionellen Weg gegangen sind: die Schriftgelehrten. Das Alte bleibt wichtig – aber nur in Verbindung mit dem Neuen, der eigenen Entscheidung, dem Weg Jesu zu folgen.
„Mensch, was Du liebst ...“ Wir müssen schon alles wagen, damit das Reich Gottes für uns hier auf Erden erahnbar und Wirklichkeit wird.
Monika Porrmann,
Zum Vogelhof 10,
34414 Warburg-Scherfede







