Kommentar
Armutsgefahr wächst weiter
von Andreas Wiedenhaus
Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen Jahren gesunken. Die Zahl derjenigen, die von Armut bedroht sind, jedoch nicht. Das Statistische Bundesamt hat gerade die Werte für das Jahr 2009 vorgelegt: Danach waren 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung armutsgefährdet.
Besonders groß war der Anteil bei den Arbeitslosen und bei Alleinerziehenden: Die Quoten lagen bei 70,3 bzw. 43 Prozent. Doch auch bei den Erwerbstätigen galten 7,2 Prozent als von Armut bedroht. Denn Arbeit schützt schon lange nicht mehr davor, arm zu sein oder zu werden. Vor diesem Hintergrund muss man dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Gerd Häuser, zustimmen, wenn er mit Blick auf die Angaben des Statistischen Bundesamtes feststellt, dass die sinkenden Arbeitslosenzahlen das Ausmaß der realen Armut verschleierten.
Tatsache ist, dass viele der neuen Stellen des deutschen „Jobwunders“ in der Zeitarbeitsbranche geschaffen wurden. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat der Bereich der „Arbeitnehmerüberlassung“, wie es korrekt heißt, ein Wachstum von rund 260 Prozent zu verzeichnen. Und die Löhne, die dort gezahlt werden, reichen oftmals einfach nicht aus für ein (Familien-)Leben oberhalb der Armutsgrenze. Zeitarbeiter und ihre Familien gehören mittlerweile häufig zur Stammkundschaft der Tafeln.
Mit Blick auf diese Tatsache bekommt auch die derzeitige Debatte um eine verbindliche Lohnuntergrenze, die in der CDU geführt wird, einen faden Beigeschmack: Diese Grenze soll sich am Tarifabschluss für Zeitarbeitnehmer orientieren – 7,79 Euro im Westen und 6,89 im Osten.






