Erzbischof Becker besuchte die koptisch-orthodoxe Liturgie im Kloster Höxter-Brenkhausen
Attentat überschattet Weihnachtsfest

- Für Bischof Anba Damian war das Kommen von Erzbischof Becker ein wichtiges Zeichen der Anteilnahme. Becker nahm als offizieller Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz an der koptischen Weihnachtsliturgie in Brenkhausen teil. Fotos: Wiedenhaus
Brenkhausen/Erzbistum. Die Weihnachtsliturgie im koptisch-orthodoxen Kloster Brenkhausen bei Höxter ist eigentlich alles andere als aufsehenerregend. Doch nach dem Mordanschlag in Alexandria stand sie in diesem Jahr im Mittelpunkt des Interesses: Journalisten und Fernsehteams waren zur Berichterstattung angereist. Viele Gäste kamen zum Gottesdienst, um ihre Solidarität mit den koptischen Christen zum Ausdruck zu bringen. Erzbischof Hans-Josef Becker nahm als offizieller Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz an der Weihnachtsliturgie in Höxter teil.
von Andreas Wiedenhaus
Wirklich ungezwungen sind heute Abend nur die Kinder. Auch die Kamerateams und Fotografen können sie nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Es gibt besonders viel zu entdecken und zu sehen. Übermütig laufen die Kleinen hin und her, spielen und lachen. Den Erwachsenen aber ist ganz anders zumute. Ihre Gesichter drücken Anspannung aus. Eine Ausnahme macht Bischof Anba Damian. Er empfängt die Besucher mit einem Lächeln und sprichwörtlich offenen Armen: Für jeden hat er ein freundliches Wort. „Letztlich gibt es keinen Grund, Angst zu haben, über uns waltet die schützende Hand Gottes“, erklärt er und versucht, ein wenig von der Stimmung zu verbreiten, die eigentlich mit diesem hohen Festtag verbunden ist. Doch in die „Freude und Hoffnung über die Geburt des Erlösers“ mischen sich nach seinem Bekunden auch „Trauer und Besorgnis“ über die Ereignisse in Alexandria und weitere mögliche Anschläge.
Eine Sorge, die heute Abend von vielen koptischen Christen geteilt wird. Ganz besonders natürlich von denjenigen, die Freunde und Verwandte in Ägypten wissen. „Wenn ich sagen würde, ich hätte keine Angst um meine Familie, würde ich lügen“, sagt ein 32-jähriger Tourismus-Manager aus Ägypten, der in Deutschland studiert hat: „Meine Frau und meine Kinder sind dort und ich sorge mich um sie.“
Seinen Namen möchte er nicht nennen – auch, weil er mit seiner Kritik an der ägyptischen Regierung nicht hinter dem Berg hält: „Derzeit sind von offizieller Seite viele Lippenbekenntnisse zu hören. Aber genauso hören die Kopten in Ägypten oftmals vonseiten islamischer Extremisten Hasstiraden gegen sie – ganz offen über die Lautsprecher der Minarette.“ Dagegen, so der 32-Jährige, werde nichts unternommen. So wie er sehen auch zahlreiche andere koptische Ägypter die Situation in ihrer Heimat mit großer Besorgnis.
Angst vor einer direkten Bedrohung am heutigen Abend haben die Menschen im Kloster allerdings nicht. Zwar hatte es mehrere anonyme Drohungen gegen die Kopten auch in Deutschland gegeben, doch gleichzeitig waren von der Polizei starke Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Weihnachtsgottesdienste angekündigt worden. Auch Bischof Damian hatte im Vorfeld der Feiern einige Gespräche mit der Polizei geführt und über entsprechende Vorkehrungen und Maßnahmen diskutiert.
Die Sicherheitskräfte bleiben während des Gottesdienstes allerdings im Hintergrund. Sichtbar ist ihre Präsenz einzig durch einen vor dem Eingang zum Kloster postierten Streifenwagen. Unter den Teilnehmern der Liturgie sind heute Abend viele katholische und evangelische Christen. Einige gehören seit längerer Zeit zum Freundeskreis des Klosters, andere sind zum ersten Mal in das Kloster gekommen. Sie alle möchten Verbundenheit und Mitgefühl zum Ausdruck bringen.
Prominentester Gast ist Erzbischof Hans-Josef Becker. Bischof Damian empfängt den offiziellen Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz mit einer langen Umarmung. „Ihr Kommen ist Trost, Freude und Segen für uns“, sagt er, ehe er den Paderborner Erzbischof bittet, an der Liturgie teilzunehmen.
In der ersten Reihe beim Gottesdienst sitzt auch der Europaabgeordnete Elmar Brok. Bei einem Treffen am Vormittag hatte der Politiker dem Bischof zugesagt, sich verstärkt für den Schutz koptischer Christen in Ägypten einzusetzen. Er wolle im Europaparlament für eine entsprechende Entschließung werben. Brok kündigte auch ein Treffen der zehn koptischen Bischöfe in Europa mit der EU-Kommission an.






