25-jährige Rollstuhlfahrerin berichtet vor Firmlingen von der Beziehung zu ihrem Assistenzhund
Auf den Hund gekommen
Attendorn (jon). Die Firmvorbereitung in Attendorn ist auf den Hund gekommen – allerdings ganz buchstäblich. Christian Ritterbach, Pfarrer in der Gemeinde Sel. Adolph Kolping, ist als Besitzer des Golden Retrievers Vicky nämlich ein Hundefan. Als solcher hat er für diese Woche nicht nur die Rettungshundestaffel Südwestfalen zur Firmvorbereitung eingeladen. Zu Gast bei einer Gruppe Firmlinge war kürzlich auch die 25-jährige Rollstuhlfahrerin Nina Hoffmann mit ihrem Assistenzhund Emily, um aus ihrem Leben zu erzählen. Und das ging den jugendlichen Zuhörern sichtlich unter die Haut.
von Barbara Sander-Graetz
Nina Hoffmann, geboren in Halbhusten bei Olpe, leidet an einer chronischen Muskeldystrophie. Kennzeichnend ist bei der Krankheit eine fortschreitende Muskelschwäche. In der Pubertät war bei ihr die Krankheit so weit fortgeschritten, dass ihr nur noch der Rollstuhl blieb. „Ich hab das Haus nicht mehr verlassen und wollte mich nicht mehr öffentlich zeigen.“ Bei einem Besuch der Reha-Care-Messe mit ihrer Mutter 2005 in Düsseldorf traf sie auf einen Stand des Vereins „Vita-Assistenzhunde“. Nach intensiven Gesprächen mit den Mitgliedern stand für sie relativ schnell fest: Ich möchte einen Assistenzhund haben! „Dabei habe ich mir schon Gedanken gemacht, schaffe ich es, den Hund zu versorgen und wie gehe ich überhaupt mit ihm um“, erzählt sie. „Ich hatte zuvor nie einen vierbeinigen Freund.“ Doch Vita-Ausbildungsleiterin Tatjana Kreidler hatte die schwarze Labradorhündin Emily für Nina Hoffmann im Visier, denn die Hundedame ergänzte mit ihren Eigenschaften die Bedürfnisse der Rollstuhlfahrerin. Anfang September 2007 begann die Phase der Zusammenführung von Hund und Herrchen.
Doch das war zunächst einfacher gesagt als getan, denn damit ein Hund für seinen Partner arbeitet, bedarf es nicht nur einer tiefen Bindung, sondern auch eines großen gegenseitigen Vertrauens. „Das entsteht nicht einfach über Nacht und kann auch nicht durch Leckerli erkauft werden“, erzählt Nina Hoffmann. Als Laie gehe man leicht mit unrealistischen Erwartungen an die Sache heran. „Ich kam damals mit der Einstellung und Hoffnung mal eben innerhalb von ein paar Wochen einen perfekt ausgebildeten Assistenzhund zu bekommen, der mich als seine Partnerin akzeptiert und bedingungslos alles für mich tut. Pustekuchen! Von dieser Vorstellung musste ich mich recht schnell verabschieden“, sagt die 25-Jährige. Behutsamkeit, Geduld und Verständnis seien die ersten Dinge gewesen, die sie lernen musste.
Heute sind die beiden ein perfektes Team. „Sie ist mein Schatten und immer bei mir. Sie geht mit zur Arbeit, zu Freunden und in die Kneipe. Sie darf als Assistenzhund in alle Gebäude mit, auch wenn dort Hundeverbot herrscht.“ Emily ist für Nina Hoffmann eine praktische und psychologische Hilfe. Praktisch hilft sie beim Ausziehen von Kleidungsstücken, bringt Gegenstände und apportiert den Stift auch, wenn er zum zehnten Mal zu Boden fällt. „Wenn ich mit ihr rausgehe, dann ist nicht wie früher der Rollstuhl im Vordergrund, sondern der Hund. Über ihn bekomme ich Kontakt zu anderen und über sie entwickelt sich eine Kommunikation. Ich bin wieder im Leben dabei“, berichtet sie. Und: „Emily war die beste Entscheidung meines Lebens.“
Um Emily zu bekommen, musste Nina Hoffmann im Vorfeld einige tausend Euro Spenden sammeln. „Leider bekommt man keine Unterstützung durch die Krankenkassen. Dabei ist ein Hund für Menschen mit einem Handicap unbezahlbar.“
Info
Weitere Infos zu Assistenzhunden für Menschen mit Behinderung im Internet unter
www.Vita-Assistenzhunde.de







