Die neue Dauerausstellung des Erzbischöflichen Diözesanmuseums wurde eröffnet
Auf den Spuren des Heiligen

- Fasziniert untersucht Prof. Dr. Christoph Stiegemann den kostbaren Epiphaniusschrein aus dem zwölften Jahrhundert, kurz nach dessen Ankunft in Paderborn. Foto: Jonas
Paderborn. Die Transportverpackung ist gerade gefallen. Nun schaut sich Christoph Stiegemann den kostbaren Schrein aus dem zwölften Jahrhundert erstmals aus der Nähe an. „Epiphanius episcopus“, liest er, vor die Stirnseite des Schreins gehockt, halblaut vor. „Bischof Epiphanius. Fantastisch“, zeigt sich der Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums begeistert.
von Markus Jonas
Der Schrein des heiligen Epiphanius aus dem Hildesheimer Dom ist das Prunkstück der vergangene Woche neu eröffneten Dauerausstellung des Diözesanmuseums in Paderborn. Nach dem Ende der Meinwerk-Ausstellung Ende Februar war das Museum umgestaltet worden. Die neue Ausstellung steht ganz im Zeichen der Heiligen. „Die Verehrung der Reliquien und ihrer Gebeine, die Wirkkraft der Reliquien und ihre Bedeutung für uns heute sind Themen, die sich wie ein roter Faden durch die neu konzipierte Ausstellung ziehen“, erklärt Prof. Dr. Christoph Stiegemann. „Stargast“ sind neben dem Schrein aus dem zwölften Jahrhundert auch das Messgewand des Hildesheimer Bischofs Bernhard aus der gleichen Zeit, eine englische Kasel, die in Deutschland „ohne Parallele“ sei, sagt Stiegemann. Mit dabei sind auch die ledernen Pontifikalschuhe des Bischofs, eine „ganz seltene“ Kombination, so Stiegemann. Bis Ende 2011 sind die Schätze aus dem Hildesheimer Dom in Paderborn zu sehen. Dass sie dort nicht vermisst werden, liegt daran, dass der Dom in Hildesheim noch bis 2015 wegen umfangreicher Restaurierungsmaßnahmen geschlossen ist.
Der mit vergoldetem Silber- und Kupferblech beschlagene Schrein aus Hildesheim ist einer der wenigen erhaltenen romanischen Reliquienschreine – letzte Ruhestätte für den heiligen Epiphanius, der im fünften Jahrhundert Bischof im italienischen Pavia war. „Was Liborius für Paderborn ist, ist Epiphanius für Hildesheim“, erklärt Stiegemann. Entsprechend ist der Schrein für die Gläubigen des Erzbistums Paderborn ein ganz besonderes Anschauungsobjekt. Denn: „Wer eine Vorstellung haben will, wie der Liboriusschrein vor dem Raub durch den tollen Christian ausgesehen hat, soll sich den Epiphaniusschrein ansehen“, empfiehlt Stiegemann. Der alte Schrein war bekanntlich während des Dreißigjährigen Krieges von Christian von Braunschweig geraubt und zu Münzen, dem „Pfaffentaler“, umgeschmolzen worden, von denen einige den „neuen“ Liboriusschrein schmücken. Und noch einen Bezug zum Erzbistum Paderborn gibt es: Die Hildesheimer Goldschmiede, in der der Epiphaniusschrein gefertigt wurde, war ein Ableger der Werkstatt des Klosters Helmarshausen bei Diemelstadt.
Ein weiteres Prunkstück der neuen Dauerausstellung kommt aus der Nachbarschaft: Eine spätgotische Zylindermonstranz, entstanden um 1400. Normalerweise befindet sie sich in einem Tresor in der Sakristei der Paderborner Busdorfkirche. An besonderen Festtagen holt Propst Dr. Elmar Nübold sie heraus, etwa für die Fronleichnamsprozession, die für die Busdorfgemeinde schon seit etwa 1300 bezeugt ist – 50 Jahre früher als beim benachbarten Dom. 30 Figuren sind auf der vergoldeten Monstranz aus Silber zu sehen. Sie zeigen Geburt, Leben, Tod und Auferstehung Christi.
Abgelöst wird die Dauerausstellung übrigens Ende 2011 von einer weiteren Sonderausstellung. Dann steht der heilige Franziskus von Assisi im Mittelpunkt. Dazu arbeite man mit den deutschen Franziskanerprovinzen, dem Paderborner Konvent und der Stadt Paderborn zusammen, sagte Stiegemann.

- Propst Dr. Elmar Nübold erklärt die reich verzierte spätgotische Monstranz der Busdorfkirche. Foto: Jonas






