Neu aufgelegte Patrimonia-Hefte zeigen Sakralkunst aus dem Soester Patroklidom
Aufwendig aufgearbeitet
Soest. Die Ausstellung rund um den „Winkelmann-Patroklus“ war mit 3 000 Besuchern ein voller Erfolg. Nun sollen die neu aufgelegten Patrimonia-Bände daran anknüpfen. Die aufwendig gestalteten Bücher, die der St.-Patrokli-Dombauverein nun präsentierte, bieten auf rund 200 Seiten kunsthistorische Informationen über Sakralkunst im Soester Patroklidom und auch über die Nachbildung der Patroklus-Statuette, die bis Ende Januar 2010 im Dom-Museum zu sehen war.
Die Patrimonia-Schriftenreihe wird von der Kulturstiftung der Länder seit 1988 herausgegeben. Dort werden die wichtigsten Förderungen editiert. Bislang sind über 300 Hefte erschienen. Sie spiegeln das breite Förderspektrum der Kulturstiftung der Länder. Die Publikation „Patrimonia“ liefert wissenschaftlich fundierte Einzelbetrachtungen ausgewählter Erwerbungsförderungen der Kulturstiftung der Länder, die in Zusammenarbeit mit den geförderten Institutionen entstehen.
Über den Erfolg der Ausstellung im Dommuseum während des Winters freut sich der Vorstand des Dombauvereins besonders. „Wir hatten ja gedacht, das wird so eine Art Remake unserer großen Patroklus-Ausstellung mit den Originalfiguren aus dem Jahre 2004. Die große Anzahl von Besuchern, von denen etliche den direkten Dialog mit den Brüdern Winkelmann suchten, haben uns doch sehr beeindruckt“, so Friedrich G. Siedler, erster Vorsitzender des Dombauvereins. Einerseits zeige diese Resonanz ein besonderes Interesse für die Soester Bildhauer Michael und Christof Winkelmann; andererseits sei dies ein Zeichen für das generell große Interesse an heimischer Kirchenkultur.
2004 hatte der Dombauverein eine Ausstellung der Originalfiguren des Soester Patroklusschreins ermöglicht. Im Winter 2009 unterstützte der Verein die aktuelle Ausstellung, bei der eine Nachbildung der Originalfigur aus dem 14. Jahrhundert gezeigt wurde. Dabei handelte es sich um eine Treib- und Montierarbeit, die sich streng nach den handwerklichen Regeln des 14. Jahrhunderts richtete. Anlass war die 1750-jährige Wiederkehr des Martyriums des Soester Stadtpatrons. Er wurde im Jahre 259 enthauptet. Ergänzt wurde die Ausstellung rund um den „Winkelmann-Patroklus“ mit Werken von Peter Bolk, Hogo Bürger, Joseph Jäckel sowie mit weiteren historischen Arbeiten.
Die 2004 gezeigte Patroklus-Originalstatuette gehörte zu einem Schrein, der allerdings verschollen ist. Dieser Schrein, aus Silber getrieben und vergoldet, war zwischen 1313 und 1330 von dem Soester Goldschmied Zigefridus aus Gold, Silber, Edelsteinen und Eichenholz angefertigt worden. Auch wenn es den Schrein heute nicht mehr gibt, weiß man genau, wie er aussah: Es existiert eine ausführliche Fotodokumentation des Schreins aus den 1920er-Jahren. Bereits im Jahre 1841 hatte die Patrokli-Gemeinde für 3 000 Taler den Schrein an die königliche Münze verkauft. Nur so konnten damals die erforderlichen Reparaturen am Dom finanziert werden. Ein Rückkauf-Versuch durch Propst Nübel 1863 schlug fehl. Der Schrein blieb in Berlin.
Dort fiel er im Mai 1945 dem Brand des Bunkers Friedrichshain zum Opfer. Nur einige Figuren wurden offenbar aus der Asche gerettet. Acht von den 16 Firguren zeigte die Berliner Skulpturensammlung in einer kleinen Ausstellung im Frühjahr 2004 am Pariser Platz in Berlin. 1961 hatte die Stiftung preußischer Kulturbesitz vier Apostel und die Muttergottes in New York entdeckt. Das Berliner Bode-Museum stieß auf den Christus und auf den Patroklus 1972 im eigenen Magazin. Sie waren 1958 von der Sowjetunion übergeben worden.
Die Patrimonia-Hefte sind über die Bücherstube Ellinghaus, die Rittersche Buchhandlung und die Geschäftsstellen des Soester Anzeigers erhältlich.







