Für Franz Westhoff ist immer Weihnachten
Aus Spaß am Holz
Ense. Morgens, halb sechs. Draußen ist es noch stockfinster, die Straßen sind verlassen. Doch für Franz Westhoff, 82 Jahre alt, beginnt sein Tag. Eine Tasse Kaffee und die Zeitung, dann geht es hinab in den verwinkelten Keller. Dort, inmitten von Holz, Werkzeug und Sägespäne, verbringt der Rentner seine Vormittage. Denn er baut Krippen. Fast das ganze Jahr hindurch.
von Birger Berbüsse
Krippen, wohin das Auge reicht. Das Haus, in dem Franz Westfhoff von Geburt an wohnt, ist voll davon. In seinem Wohnzimmer, in dem er nachmittags so gern dem Treiben auf der Hauptstraße zusieht, findet sich noch eines seiner ersten Werke. Die Krippendarstellung, die über der Eingangstür der Enser St.-Lambertus-Kirche in Stein gemeißelt ist, hat er einst nachgeschnitzt. Und dabei auf jedes kleine Detail geachtet. Das setzt sich bei den großen und kleinen Krippen und Figuren fort, die sich im Flur und anderen Zimmern in seiner Wohnung finden.
Die Krippenställe, die dort stehen, ähneln in ihrer Art mehr Scheunen und Bauernhäusern des 19. Jahrhunderts als dem Stall in Bethlehem. Ganz getreu dem Künstler-Motto: „Schaffe das, was du kennst“. So hat Franz Westhoff in mühevoller, aber gern getaner Kleinarbeit winzige Griffe an die Türen angebracht, kleine Vogelhäuser zusammengeleimt und auf die richtige Form des Fachwerks geachtet. Die große Krippe, die er erst kürzlich nach rund 50 Arbeitsstunden fertig gestellt hat, hat ein Dach, bei dem jede Holzschindel einzeln aufgeklebt wurde. Wofür viele andere zu ungeduldig oder nicht fingerfertig genug wären, das macht Franz Westhoff aus purer Leidenschaft. Und zwar schon seit über 20 Jahren.
„Spaß am Holz“ nennt der rüstige Rentner als Hauptgrund, dass er damals überhaupt damit angefangen hat. Und schiebt noch zwei Gründe hinterher: Der bevorstehende Ruhestand des ehemaligen Vorarbeiters ließ ihn sich nach neuen Tätigkeiten umschauen. Und auch seine mittlerweile verstorbene Frau haben ihn dazu gedrängt. Also griff sich Franz Westhoff Messer und Hobel und ging ans Werk. Nur eine kleine Schleifmaschine stand ihm noch zur Verfügung, mehr nicht. Das Holz bekam er, wie heute, überwiegend von Schreinern, die ihm ihre Reste zur Verfügung stellten.
„Ich hab dann auch gleich mit Krippen begonnen“, blickt der Krippenbauer auf seine Anfänge zurück. Zunächst habe er einmal seine ganze Familie mit Ställen versorgt, dann auch Freunde und Bekannte. „Das hat sich dann aber schnell rumgesprochen“, erinnert er sich schmunzelnd. Schnell habe er erste Anfragen bekommen. Und bereits in seinem zweiten Jahr als Hobby-Krippenbauer gut 40 Krippen angefertigt. Morgens wurde im Keller gearbeitet, den er nach und nach mit Kreis- und Stichsäge sowie weiteren Holzverabeitungsmaschinen ausstattete. Bei ihm ist also gewissermaßen das ganze Jahr hindurch Weihnachten. „Nur im Sommer, da hab ich dann Ferien gemacht“, so Westhoff. Aber die viele Zeit im Keller ist auch nötig: Gut 40 Stunden braucht er nach eigenen Angaben für eine große, locker zehn Stunden für eine kleine Krippe. Die gab es auch schon des öfteren in Ausstellungen zu sehen. Geld nimmt er natürlich auch mal, wenn er wieder eine verkauft hat, aber hauptsächlich, um die Materialien zu bezahlen. „Die Hälfte meiner Krippen hab ich wohl verschenkt“, glaubt der Enser. Unter anderem an Altenheime und Krankenhäuser, die sie dann versteigern konnten.
Mittlerweile macht er deutlich weniger Krippen. „Immerhin bin ich ja schon über 80“, verweist er auf die schwindenden Kräfte. Außerdem, sagt er lachend, müsste im Umkreis mittlerweile wohl auch jeder eine Krippe unterm Baum stehen haben. In den Keller geht Franz Westhoff aber immer noch jeden Morgen.







