Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Aus Überzeugung Christ

Nach der Ermordung der beiden Frauen im Jemen, die in Lemgo die evangelikale Bibelschule Brake besucht haben, herrscht tiefe Betroffenheit.


Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

Für Horst Borchert ist das klar:„Wir haben uns ja leider an so schlechte Nachrichten gewöhnt, aber meistens ist das alles so weit weg. Dass es jetzt zwei Frauen aus der Bibelschule getroffen hat, ich kann das immer noch nicht glauben“. Was der Lemgoer da vergangene Woche seiner Heimatzeitung sagte, spiegelt das Empfinden vieler wider. Not und Gewalt sind allgegenwärtig. Erst wenn sie konkret werden, wenn sie im eigenen Umfeld fassbar sind, rühren sie die Menschen an.
Solch Verhalten ist nicht sensationslüstern, es ist normal. Diese Emotionen haben mit Selbstschutz zu tun. Bei all den schlechten Nachrichten eines Tages würden die Menschen ohne diesen sonstigen Abstand ja verzweifeln. Die jetzige Betroffenheit über alle christlichen Grenzen hinweg zeigt aber, dass das Schicksal der beiden Frauen die Menschen nicht kalt lässt. Das sonstige Wegblenden des Terrors hat die Menschen nicht abgestumpft. Sie haben sich nur Kategorien des Mit-Leides gesucht. Und die sind eben nach der Nähe der Betroffenheit gestaffelt.
So unfassbar das Schicksal der beiden Frauen auch ist. Letztlich haben sie offen ihren Glauben gelebt. Bei den unklaren Mordmotiven scheint es jetzt sogar so, dass sie wegen dieses Glaubens getötet wurden. Dabei wird deutlich, dass sie eben aus ihrer christlichen Motivation dort zur Hilfe waren. Und sicher ist auch, dass sie sich Gott nahe wussten in ihrer Arbeit. Das ist ein kleiner Trost nur, unter Christen aber durchaus mit eigenem Wert.


20.05.2012
Impressum | Kontakt
4002