Wanderausstellung „Schätze! Kunst des 20. Jahrhunderts“ in Detmold zu sehen
Ausdruck für den Zustand
Detmold. Keine andere Zeit hat den Christen so viele Kirchen hinterlassen wie das 20. Jahrhundert. Doch die meist modernen Betonkonstruktionen scheinen vielerorts überholt, bleiben leer und ihre teils nötige Sanierung stellt oftmals eine Last im Baubudget der Kirchen dar. Dass es auch eine andere Sichtweise auf die Bauten des vergangenen Jahrhunderts lohnt, zeigt die ökumenische Wanderausstellung „Schätze! Kirchen des 20. Jahrhunderts“, die derzeit Station in der Detmolder Erlöserkirche macht.
Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen“, lautet die etwas provokante These von Professor Dr. Thomas Erne, Leiter des EKD-Institus für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart in Marburg. Das Institut hat die Ausstellung gemeinsam mit dem Deutschen Liturgischen Institut in Trier und der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst entwickelt und Erne eröffnete die Exposition in Detmold mit einem Vortrag zur Zukunft der Kirchen. Die Sakralbauten sind seiner Ansicht nach „weder Problem, noch Lösung, sondern der Ausdruck für den Zustand der Kirchen.“ Es müsse beiden Konfessionen wieder mehr als bisher gelingen, ihre Mitglieder in die Kirchen zu holen. „Der Umbau einer Kirche beginnt nicht damit, dass ein Architekt beauftragt wird“, so Erne.
Eine Umnutzung der Kirchen um jeden Preis oder gar einen Abriss ist in Ernes Augen nicht immer empfehlenswert. Als Beispiel nannte er die ehemalige Martini-Kirche in Bielefeld, in der nun eine Erlebnisgastronomie beheimatet ist. Er verdeutlichte, dass die sakrale Anmutung durch den Umbau noch verstärkt wurde, denn gerade das sei es, was das Restaurant so besonders mache: „Dort wird eine Ressource verzehrt, für die der Betreiber nicht aufkommt.“ Und so sieht es der Institutsleiter auch nicht als Schande an, wenn es einmal keine Lösung für eine Kirche gebe und diese einfach zugeschlossen würden. „Warum dürfen Kirchen nicht auch in Ehre verfallen?“, fragte er in die Runde. Oder zumindest warten, „vielleicht ist eine Generation nach uns ja schlauer als wir.“
Ernes Thesen und provokanten Äußerungen sorgten denn auch für reichlich Diskussionsstoff unter den Gästen. Zum Diskutieren anregen sollen auch die Exponate. Auf großen Tafeln werden moderne Kirchen aus ganz Deutschland beschrieben und abgebildet, um dem Betrachter ihre Potenziale vor Augen zu führen. Mittels eines Farbleitsystems werden die Kirchen dabei in vier Kategorien eingeordnet: prägende Baukunstwerke, geistliche Lebensräume, kulturelle Mittelpunkte und herausfordernde Werte.
Zudem kommen an einer Hörstation Menschen aus Kirche, Kultur und Denkmalpflege zu Wort. Das Kölner „domradio“ hat sie zu ihren Erfahrungen mit modernen Kirchen befragt. Die Ausstellung, die in diesem Jahr bereits zu Gast an der Universität Mainz, beim Bischöflichen Ordinariat in Limburg oder dem Katholikentag in Osnabrück war, ist noch bis zum 30. August in Detmold zu sehen. Ruth Lakenbrink







