St. Peter und Paul in Bad Driburg wurde vor 100 Jahren von der „Wiedenbrücker Schule“ gestaltet
Befreit vom Grauschleier
Bad Driburg. „Die Leute sind begeistert“, erzählt Pfarrer Dr. Arnulf Vagedes zufrieden. Auf die erfolgreiche Renovierung der Kirche St. Peter und Paul in Bad Driburg werde er sogar auf der Straße angesprochen, erzählt er. „Die Leute haben vorher gar nicht gemerkt, wie schön die Kirche ist.“ Nachdem der Dreck von Jahrzehnten beseitigt ist, sind nun die Deckenmalereien wieder in voller Schönheit zu sehen. Für Pfarrer Vagedes war die Renovierung der Kirche übrigens ein letztes großes Projekt. Am vergangenen Sonntag wurde der 70-Jährige vom Pastoralverbund Bad Driburg-Nord in den Ruhestand verabschiedet.
von Markus Jonas
„Lassen Sie das doch Ihren Nachfolger machen“, hatte ihm jemand unter Hinweis auf die Kirchenrenovierung geraten. „Schon aus Trotz“ habe er deshalb die Renovierung noch in Angriff genommen, erzählt Vagedes schmunzelnd. Und außerdem: „Mein Nachfolger hat wahrlich genug zu tun.“ Denn weil auch der Leiter des benachbarten Pastoralverbundes Bad Driburg-Süd, Pfarrer Berthold Schneider, im November in den Ruhestand ging, übernimmt dessen Nachfolger Pfarrer Hubertus Rath auch noch den Pastoralverbund von Vagedes. Eine vom Erzbistum Paderborn für die nächsten Jahre geplante Zusammenlegung von Pastoralverbünden werde damit in Bad Driburg schon auf den Sommer dieses Jahres vorgezogen.
Die Zusammenarbeit bei der Renovierung der unter Denkmalschutz stehenden Kirche von 1897 sei „sehr harmonisch“ gewesen, lobt Vagedes. Unter Aufsicht des Landesdenkmalamts, der unteren Denkmalbehörde in Bad Driburg und des Bauamts des Erzbischöflichen Generalvikariats hätten der Höxteraner Architekt Albert Henne und das Paderborner Restauratorenteam „Böddeker und Schlichting“ gute Arbeit geleistet.
Im Wesentlichen habe man das Innere der Kirche „gereinigt und retuschiert“, erzählt Jürgen Böddeker. „Wer die St.-Peter-und-Paul-Kirche heute betritt, kann sich kaum vorstellen wie einfältig und vergraut diese noch im vergangenen Frühjahr ausschaute.“
Für die jetzige dreischiffige neugotische Hallenkirche war die um 1260 errichtete Vorgängerkirche St. Petrus 1891 abgerissen worden. Aus dem Vorgängerbau wurden einige Stücke übernommen, so der romanische Taufstein von 1260, zwei Barockskulpturen der Schutzheiligen aus dem Jahre 1676 sowie der Grabstein des Domherrn Heinrich von Driburg. Besondere Bedeutung kommt der Kirche St. Peter und Paul nicht nur wegen ihres exponierten Standortes und der Gewölbemalereien, sondern auch wegen ihrer nahezu vollständig erhaltenen Ausstattung zu. Altäre, Kanzel, Orgel, Beichtstühle und Kreuzwegreliefs sind alle noch aus der Zeit des Baus im Stil des Historismus erhalten – eine Seltenheit. Zudem sei die Ausstattung von „kunsthandwerklich herausragender Qualität“, lobt Jürgen Böddeker. Mitglieder der sogenannten „Wiedenbrücker Schule“ hätten sie angefertigt. Deren Restaurierung hatte zum Ziel, „sowohl den Bestand zu sichern als auch den Präsentationswert durch substanzverträgliche Maßnahmen zu verbessern“.
Der ebenfalls zum Wiedenbrücker Künstlerkreises gehörenden Eduard Goldkuhle hatte die Kirche 1909, vor genau 100 Jahren, ausgemalt. Diese dekorativen Ausmalungen, die in den 50er -Jahren weiß übermalt und im Gewölbebereich 1973/74 wieder freigelegt worden waren, wurden nun gereinigt und durch zusätzliche, durch Farbreste nachgewiesene Malereielemente ergänzt. Einige stilisierte Floralornamente blieben allerdings noch immer unter einer weißen Farbschicht. Diese auch noch freizulegen, wäre zu teuer geworden, sagt Pfarrer Vagedes. „Eine zukünftige Freilegung ist aber möglich“, erklärt Jürgen Böddeker. Für ihn war die Renovierung von St. Peter und Paul kein Job wie jeder andere. Schließlich ist er in dieser Kirche getauft worden.
Pfarrer Vagedes will übrigens auch im Ruhestand in Bad Driburg bleiben und weiter im Pastoralverbund aushelfen. Allerdings in der ersten Zeit „in der Ferne“. Denn: „Es ist ja komisch, wenn ich verabschiedet werde und dann gleich wieder am Altar stehe.“







