Kommentar
Belastender Vorschusslorbeer

Für die meisten Beobachter völlig unerwartet vergab das Nobel-Preis-Komittee den diesjährigen Friedensnobelpreis an den erst vor einem Dreivierteljahr gewählten, schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama.
Gerd Vieler (53) ist Chef vom Dienst des DOM
Friedensnobelpreise an Politiker lösen immer zweispältige Gefühle aus. Das liegt in der Natur der Sache, da es zu jeder politischen Richtung auch eine Opposition gibt. Da haben es Preisträger aus dem humanitären Bereich wie zum Beispiel Mutter Teresa einfacher. Dennoch ist die Preisvergabe an Obama vertretbar.
Da gab es in der Vergangenheit sicherlich problematischere Preisträger. Sicherlich ist auch nicht die politische Bedeutung zu unterschätzen. Sie ist für Obama nicht nur positiver Natur. Belastet sie ihn doch nicht nur zur Freude seine oppositionellen Kräfte mit einer starken Hypothek. Wie leicht wird es seinen politischen Gegnern jetzt fallen, sein Handeln an dieser hohen Hürde zu messen. Dabei ist Politik eine andere Sache als die Würdigung visionärer Ideen. Politik ist immer die Kunst des Machbaren. Und dennoch lebt sie langfristig in Träumen und Ideen. Wofür sollte Martin Luther King 1964 sonst den Friedensnobelpreis bekommen haben, wenn nicht für seine Rede „I have a dream (Ich habe einen Traum)“. Dieser Traum hat sich 45 Jahre später mit der Wahl Obamas in besonderer Weise verwirklicht. Vielleicht ist auch bei der neuen Vision von gegenseitiger Achtung und Gesprächsbereitschaft, die Obama weltweit propagiert, ein Erfolg erst langfristig zu erwarten. Aber für den neuen Anstoß dazu kann es schon einen Friedensnobelpreis geben.






