Gedanken zum Evangelium
Beziehungskiller
Im Evangelium dieses Sonntags ist von drei Geboten die Rede. Wenn sie nicht beachtet werden, drohen menschliche Beziehungen zu scheitern.
von Ludger Vornholz
Es gibt Begegnungen, da spürt man sofort, dass „die Chemie stimmt“, Begegnungen, die das Leben ungemein bereichern. Manchmal sind diese Begegnungen so erfüllend, dass Freundschaften oder sogar Ehen aus ihnen entstehen. Im Laufe der Jahre verändern sich diese Beziehungen. Manchmal fangen sie ganz leise und lautlos an zu sterben. Keiner will es wahrhaben, bis es zur Trennung kommt. Die Frage, wie so etwas geschehen kann, ist nicht leicht zu beantworten. Ich wage hier keine Erklärung, die Allgemeingültigkeit beansprucht. Ich nenne lediglich einige Gedanken, die mir beim Meditieren über das Evangelium durch den Kopf gingen, Gedanken, die vielleicht Hinweise auf die Ursachen für einen solchen komplexen Vorgang wie das leise Sterben von einst guten Beziehungen geben können.
Wenn Jesus eine größere Gerechtigkeit als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer bei seinen Jüngern anmahnt, dann höre ich daraus: Dein Verhalten soll der Situation, in der du dich befindest, angemessen und gerecht sein. Aufrichtigkeit soll dich prägen und kein faules Taktieren deine Handlungen beeinflussen. Sei ehrlich zu dir selbst und versuche die Ursachen für ein Zerbrechen von Beziehungen in dir rechtzeitig wahrzunehmen. Anhand der Verbote des Tötens, des Ehebruchs und des Meineides erläutert Jesus die tiefer liegenden Ursachen, die das Zusammenleben von Menschen schwer stören können, bis hin zum Töten.
„Du sollst nicht töten“: Jesus führt vom Extremfall einer zerstörten Beziehung, dem Töten, diese Handlung auf ihren Ursprung das „Erzürnt sein über den Nächsten“ zurück. Wut und Groll legen auf die Dauer die Grundlage für den Hass und das Töten. Oft sind aus Nichtigkeiten, die nie angesprochen wurden, unüberwindbare Abneigungen entstanden. Zum Beispiel: Die Zahnpastatube, die von dem einem aufgerollt und vom anderen wahllos ausgedrückt wird, kann durchaus Anlass zu Konflikten sein. Diese müssen nicht gleich im Mord enden, aber sie können durchaus zu einem ständigen Diskussionsthema werden, das Abneigung gegeneinander entstehen lässt.
„Du sollst nicht die Ehe brechen“: Jesus benennt bereits den „lüsternen Blick“ als Einfallstor für die Sünde. Im „Herzen“ geschieht auf diese Weise bereits der Ehebruch. Hat Jesus angesichts der heute leicht zugänglichen Bilder und anonymen Kontaktaufnahmen im Internet nicht recht? Wer mit dem Feuer spielt, darf sich nicht wundern, wenn er Feuer fängt!
„Du sollst keinen Meineid schwören.“ Wenn ein Mensch durch den Schwur deutlich seine Worte als wahr kennzeichnet, sagt er nicht indirekt aus, dass diese besondere Hervorhebung notwendig ist, weil nicht alles Gesagte wahr ist? Jesus will durchgehende Wahrhaftigkeit. „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ Fragen wir uns: Wie viele „Notlügen“ habe ich gebraucht, um unangenehmen Folgen aus dem Wege zu gehen? Wie oft denken Menschen: „Das braucht der oder die andere nicht zu wissen?“ Kommt schließlich die ganze Wahrheit ans Tageslicht, wächst das Misstrauen.
Das zerstörte Vertrauen zwischen Menschen ist vermutlich der Beziehungskiller Nummer Eins. Fazit: Wenn menschliche Beziehungen lebendig bleiben sollen, bedarf es der gegenseitigen Achtsamkeit. Lang andauernder Zorn, gedankliches Fremdgehen und die sogenannten „kleinen Notlügen“ können auf Dauer zerstörerisch auf menschliche Beziehungen wirken.
Ein Tipp: Die regelmäßige Beichte ist eine gute Hilfe, um aufmerksam für Veränderungen im Miteinander zu werden. Zudem gewährt das Bußsakrament die sakramentale Vergebung und einen Neuanfang.







