Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Chinas Katholiken unter Druck

von Andreas Wiedenhaus 

Wer in China Kritik an der staatlichen Führung übt oder auch nur den vagen Verdacht erweckt, vom offiziellen Kurs abzuweichen, muss mit unerbittlichen Konsequenzen rechnen.

Aktuell sind die katholischen Christen betroffen: Bei einem Besuch in Deutschland hat der chinesische Bischof John Tong die Praxis der Religionsfreiheit in seiner Heimat beklagt. Dieses in Verfassung und internationalen Vereinbarungen festgeschriebenen Recht stehe bestenfalls auf dem Papier, so der Bischof der ehemaligen Kronkolonie Hongkong. Stattdessen seien Willkür und eine zunehmende staatliche Kontrolle an der Tagesordnung. Fachleute des christlichen Hilfswerkes Open Doors sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem jüngsten Appell des Papstes für mehr Religionsfreiheit in China und den wachsenden Repressionen gegen die katholischen Christen.

Diese Einschätzung dürfte realistisch sein: Hat doch die Führung in Peking immer wieder bewiesen, dass sie derartigen Äußerungen – von wem auch immer – als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes“ mit entsprechenden Reaktionen begegnet. 

Von der erhofften Öffnung des Reichs der Mitte nach der Olympiade 2008 ist das Land heute weiter denn je entfernt. China geht seinen Weg – wer dabei im Weg steht, muss die Konsequenzen tragen.

Im Inland werden die kritischen Stimmen mundtot gemacht, außenpolitisch droht die Pekinger Führung mit wirtschaftlichen „Strafmaßnahmen“. Das hat bisher funktioniert und dürfte angesichts der wirtschaftlichen Wachstumsraten in dem Land auch so weitergehen. 


20.05.2012
Impressum | Kontakt
4002