Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gospelchor „Reach Out“ sang in der JVA Siegen

Christliche Hoffnung im Knast

In der Turnhalle der JVA in Siegen durchbrach der Gospelchor „Reach Out“ die tägliche Routine in der Gefängniswelt. Foto: Mütherig

Siegen. Selten prallen zwei Gegensätze so aufeinander. Vor der großen Stahltür der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Siegen Menschen, die ihren Beschäftigungen nachgehen, sich verabreden, ins Kino gehen, den Abend genießen und hinter dem Tor das triste Alltagsleben, abgeschottet von der Außenwelt. Ein Leben ohne Höhen und Tiefen, alles genau vorgegeben und ge­plant – ein Leben, in das jetzt ein Gospelchor Abwechslung brachte.

von Juliane Mütherig

Die tägliche Routine in der Gefängniswelt versuchte der katholische Gefängnisseelsorger Werner Schrage zu durchbrechen. Er ließ das Evangelium in einer anderen Art verkünden, gesungen in der Form eines Gospelkonzerts. „Gerade in der Zeit vor und nach Weihnachten fehlt den Gefangenen die Familie, die nächsten Angehörigen. Sie sind von ihnen getrennt und somit ist der Leidensdruck erhöht. Bei diesem Konzert können sie Kraft tanken. Die Gesänge sollen ihnen Hoffnung geben“, beschreibt Diakon Schrage seine Absicht.
Eingeladen hatte er den Siegener Gospelchor „Reach Out“ unter der Leitung von Christof Mann. „Ausstrecken“ lautet die Übersetzung des Chornamens. Und die Gelegenheit sich auszustrecken nach Hoffnung, nach Lebensfreude, wollte Werner Schrage den Inhaftierten damit geben. 35 Sängerinnen und Sänger vermittelten vom ersten Song an diese Lebensfreude. Zuerst abwartend und nachdenklich ließen die etwa 50 Männer aller Altersstufen die mitreißende Musik auf sich wirken. Nach und nach sprang der Funke über. Der Chorleiter Christof Mann rief sie auf mitzusingen, zu klatschen. Einige fingen zögernd an, weitere folgten. „Wir kommen zu den Menschen, die nicht zu uns kommen können. Wir bringen ihnen unsere Lieder“, so der Chorleiter. Bei dem ruhigeren, ergreifenden und nachdenklichen  Lied „Best Friend“, war den Inhaftierten die Ergriffenheit anzumerken. Starker Applaus und Bravo-Rufe folgten. „Wir freuen uns, dass sich andere die Zeit nehmen hierher zu kommen und für uns zu singen. Sie gehen nicht aus, um sich zu amüsieren, sie kommen zu uns“, sagte ein Häftling, dem anzusehen war, dass das Ziel des Seelsorgers erreicht war, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und Zuversicht und Freude zu vermitteln.
Der Siegener JVA-Leiter Reiner Wisniewski unterstützt die Ideen des Seelsorgers Werner Schrage und gibt ihm volle Rückendeckung. Pläne für das Jahr 2010 sind bereits vorhanden, neben den „Zwölf Räubern aus Hünsborn“ steht auch „Klaus, der Geiger“ aus Köln auf dem Programm.


22.05.2012
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