Gedanken zum Evangelium
„Damit ihr Hoffnung habt!"
Der 31. Januar kann dieses Jahr in der Erzdiözese Paderborn auch als Kirchentagssonntag gefeiert werden. Das Schiff der Ökumenischen Bewegung befindet sich nach Ansicht von Monsignore Michael Hardt heute in einer schwierigen Lage. Er empfiehlt in seiner Auslegung von Mt 14,22-33, dem Gang Jesu über das Wasser, ein gemeinsames Hören auf das Wort Jesu, um wieder klaren Kurs auf das eigentliche Ziel zu bekommen.
von Michael Hardt
In vielen Kirchen hängt schon das Plakat für den Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München. Da laufen im wahrsten Sinne des Wortes zwei Jugendliche über die Wasseroberfläche des Chiemsees. Die Plakate sind ganz in Blau und Orange gehalten. Diese Farbkombination steht für Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Zuversicht. Den beiden jungen Damen ist die Freude direkt anzumerken, die ihnen dieser „Gang über das Wasser“ bereitet.
Unmöglich! – werden Sie vielleicht denken. Oder – Toll! Wie haben die das hinbekommen? Das Ganze ist keine Fotomontage. Direkt unter der Wasseroberfläche wurden Podeste verankert, über die die beiden jungen Leute gehen konnten, sodass dieser faszinierende Eindruck entsteht: Das Wunder ist möglich.
Die Parallele zur Perikope vom „Gang Jesu auf dem Wasser“ ist natürlich beabsichtigt. In der vierten Nachtwache geht er auf dem See zu ihnen, will aber vorübergehen. Die Jünger erkennen Jesus nicht und halten ihn für ein Gespenst. „… Fürchtet euch nicht, ich bin es!“ Petrus will sozusagen eine Bestätigung haben. „Wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Doch als er auf dem Wasser geht, verlässt den Petrus das Vertrauen und er beginnt unterzugehen. Da rettet ihn Jesus und sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“
Die unterschiedlichen Varianten der Seesturmerzählung sind Mut machende Verkündigung: In den Nöten und Ängsten des Lebens ist der Herr nahe und hilft. Wer auf Jesus in seinem Leben baut, sich ihm anvertraut, wird in den Stürmen des Lebens nicht untergehen.
Zurück zu unserem fröhlichen Werbeplakat! Ist es so ganz falsch zu sagen, dass das Schiff der Ökumenischen Bewegung in der Mitte des letzten Jahrhunderts nur deshalb Fahrt aufnehmen konnte, weil die Begründer des Ökumenischen Rates der Kirchen, die Initiatoren des Einheitssekretariates im Vatikan, die vielen Theologen der ökumenischen Dialoge der 70er-Jahre bis heute davon überzeugt waren und sind: Nur das Hören – das gemeinsame Hören – auf das Wort Jesu leitet die „Boote“ der Kirchen durch den Sturm der „Buße“ und „Umkehr“ in das ruhige Fahrwasser einer geeinten Zukunft?
In den 70er-Jahren waren es zunächst eher „Stürme“ der Begeisterung für das Anliegen der Einheit der Kirche, die die Hoffnung auf die größere Gemeinschaft der Kirchen damals stark machten. Die letzten 50 Jahre waren in der Tat das ökumenische Zeitalter, in dem die Kirchen und die Christen sich auf den Weg zueinander und miteinander gemacht haben. Dafür können wir nur dankbar sein.
Doch die „Stürme“ der Begeisterung haben sich inzwischen in unangenehme Novemberstürme gewandelt, die an der je eigenen Identität der Kirchen nagen. Die Boote, um im Bild zu bleiben, werden dicht gemacht, um sie vor den Wellen der noch ungelös-ten Fragen zu schützen. Und diese Wellen bedrohen ja tatsächlich: die Wellen der unterschiedlichen Auffassungen über die Einheit der Kirche; die Wellen der Ratlosigkeit, wie bei so unterschiedlichem Amtsverständnis Gemeinschaft im Amt möglich werden soll; die Wellen der Unsicherheit im gemeinsamen Zeugnis in ethischen Fragen. Das sind ja leider keine Scheinwellen!
Doch Jesu Wort „Komm!“ gilt auch heute. Auf dem Kirchentagsplakat laufen die beiden jungen Leute über den Chiemsee. Das Wasser ist ruhig, kein Sturm droht. In der Tat! Das Plakat atmet Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Zuversicht. Die beiden werden es schon schaffen, ohne ins Wasser zu fallen. Allerdings wissen die beiden auch, wo die Halt gebenden Fundamente liegen.
Am Ende der Seesturmerzählung bekennen die Jünger: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“ Das Vertrauen auf Jesu Hilfe hätte Petrus sicher über die vom Sturm aufgewühlte See gebracht.
Möge der Ökumenische Kirchentag in München auch ein Vertrauensstein werden, auf dem die Einheit und Gemeinschaft der Christen weiter wachsen können, bis der Herr ihre Vollendung schenkt!







