Freundesverein befasst sich mit Zukunfts-Perspektiven für ehemalige Klöster
Das Erbe der Zisterzienser
Warburg-Hardehausen. Alte Klöster mit neuem Leben füllen: So gut wie in Hardehausen gelingt das nicht immer. In dem ehemaligen Zisterzienserkloster, das heute die Katholische Landvolkshochschule und das Jugendhaus des Erzbistums Paderborn beherbergt, befasste sich der „Verein zur Förderung der Freunde der Abtei Morimond“ mit dem Erbe der Zisterzienser in Europa.
von Markus Jonas
Prominentester Gast war der Generalprokurator des Zisterzienserordens, Dr. Meinrad Tomann. Der Österreicher ist der Kontaktmann zwischen den Zisterziensern weltweit und dem Vatikan, „also ein besserer Briefträger, der die Briefe auch lesen muss“, beschreibt er selbst lakonisch seine Rolle. Dem widerspricht allerdings Msgr. Konrad
Schmidt, Rektor der Landvolkshochschule in Hardehausen. Als Generalprokurator sei er „der zweite Mann“ im Orden, nach dem Generalabt. Und da der meistens unterwegs sei, „hat der Generalprokurator das Sagen“, schmunzelt Konrad Schmidt. 1 500 Mönche zählen die Zisterzienser weltweit. Dazu kommen 900 Nonnen. In Deutschland gibt es noch 14 Zisterzienserklöster. In der Blütezeit waren es weit über 200. Dieses Erbe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist auch ein Ziel der Zisterzienser. Auf drei Ebenen wolle man das erreichen, schildert Pater Meinrad. Zunächst wolle man vor Ort das Bewusstsein für eine meist über 500-jährige geistliche Tradition wecken. Die Gebäude oder Ruinen seien dafür eine sichtbare Erinnerung. In einem zweiten Schritt könnten die alten Klostergebäude für kulturelle Zwecke genutzt werden. Der dritte Schritt, eine Wiederbelebung der Klöster, sei zweifellos das Beste, sagt Meinrad Tomann, „aber schwierig“ und deshalb „Zukunftsmusik“. Denn die Zahl der Zisterzienser zumindest in Europa sei fallend, während sie in Afrika „gut“ und in Asien „steigend“ sei.
Bei der Tagung in Hardehausen ging es speziell um das Erbe der französischen Abtei Morimond. Sie war eine direkte Gründung der Mutterabtei aller Zisterzienser, der Abtei Citeaux. Von Morimond aus wurden mehr als 200 Abteien in Mittel-, Nord- und Osteuropa gegründet, unter anderem sämtliche bayerischen und österreichen Zisterzienserklöster. Morimond habe einen „Boom“ der Zisterzienserklöster in Deutschland ausgelöst, erklärt der Vorsitzende des 100 Mitglieder zählenden Freundesvereins von Morimond, Martin Mallach. Vereinsziel sei deshalb, die Bedeutung der Abtei Morimond für die Ausbreitung des Ordens in Europa deutlich zu machen, sagt Vereinsmitglied Peter Möhring aus Bad Driburg. Langfristiges Ziel sei eine Wiederbelebung des Klosters Morimond, von dem heute nur noch Mauerreste der Kirche und eine kleine Außenkapelle existieren.
Auch das Zisterzienserkloster Hardehausen, das von 1140 bis 1803 bestand, geht auf Morimond zurück. Es war gewissermaßen eine „Enkelin“ von Morimond, gegründet von der ersten deutschen Abtei Kamp am Niederrhein. Von Hardehausen aus wiederum wurde das nahe gelegene Kloster Bredelar gegründet, das bei der Tagung als Beispiel für eine gelungene Wiederbelebung ebenfalls Thema der Tagung war. Nach der Säkularisation war das Kloster lange eine Eisenhütte. Erst in den vergangenen Jahren wurde es für kulturelle Zwecke teilweise wiederhergestellt. Einen Besuch statteten die 45 Tagungsteilnehmer auch dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster in Holthausen bei Büren sowie dem Klostermuseum Dalheim ab.
Beispiel für eine gelungene Neugründung ist das Zisterzienserinnenkloster Helfta in Thüringen. 1542 aufgelöst, wurde es 1999 neu gegründet. „Visionen werden mitunter wahr“, freut sich Martin Mallach. Teilweise nehmen sich auch evangelische Christen der alten Klöster an. So gründete die evangelische Jesus-Bruderschaft im ehemaligen Zisterzienserkloster Volkenroda in Thüringen eine Kommunität. Für das Kloster kam die Wende gerade noch rechtzeitig. „Das Kloster stand auf der Abrissliste der DDR“, erklärt Pater Meinrad. Gerade auch im entchristlichen Osten Deutschland faszinierten die alten Klöster die Menschen, sagt Msgr. Konrad Schmidt. Selbst wenn sie nicht getauft seien, nähmen sie geistliche Angebote an den historischen Stätten mit. Und: „Viele bekommen glänzende Augen, wenn sie echte Mönche erleben.“







