Aktuelle Ausgabe
2012-20

Vor 550 Jahren wurde das Kirchenschiff der Dominikanerkirche geweiht

Das Geld fehlte, der Bau ruhte

ie Propsteikirche in Dortmund – eines der Wahrzeichen der Westfalen-Metropole. Foto: Spieker

Dortmund. Im Jahr 1458 wurde das Kirchenschiff der heute als Propsteikirche bekannten Dominikanerkirche geweiht. Elisabeth Tillmann, die Leiterin der Dokumentationsstelle für Dortmunder Kirchengeschichte, beleuchtet in diesem Beitrag die Baugeschichte des Gotteshauses.

von Elisabeth Tillmann

Nach einer turbulenten Gründungsphase konnte sich der Dominikanerorden erst um 1330 in Dortmund niederlassen. Schon im Jahr darauf wurde der Grundstein für eine gotische Klosterkirche gelegt. Man begann zunächst mit dem großen Chorraum, den die Predigerbrüder für ihr Stundengebet und die Gottesdienste benötigten. Als Baumaterial diente der heimische Ruhrsandstein.
Der dreijochige Chorraum mit polygonalem Abschluss und den vierbahnigen Fenstern, die fast die gesamte Wandfläche zwischen den Strebepfeilern einnehmen, wurde am Fest Mariä Geburt (8. September) 1354 feierlich vom Kölner Weihbischof Rudolf von Stalberg, einem Dominikaner, eingeweiht. Als Patrone wählte man den hl. Johannes den Täufer (Patron des Predigerordens), den hl. Evangelisten Johannes (Patron der Theologen) und die hl. Maria Magdalena. Noch heute heißt die Propstei St.-Johannes-Baptist-Kirche und -Pfarrei.
Das wegen Geldmangels erst gut 100 Jahre später (1458) vollendete Kirchenschiff für die Laiengemeinde ist eine zweischiffige, asymmetrische Hallenkirche von drei annähernd quadratischen Hauptschiffjochen mit Netzgewölbe. Am 6. November 1458 fand die Weihe der vollendeten Dominikanerkirche durch den Kölner Weihbischof Heinrich von Rübenach, wiederum ein Dominikaner, statt. Das sehr schmale „Gangschiff“ an der Nordseite wurde erst um 1500 angefügt.
Da Dortmund in der Reformation den Glauben Luthers angenommen hatte, benötigte die Stadt nach der Säkularisation des letzten Klosters eine Pfarrkirche für die wenigen verbliebenen Katholiken. Aus dem Vermögen des Dominikanerklosters wurde am 31. Mai 1818 die Pfarrkirche St. Johannes Baptist fundiert. Der Papst erhob die neue Pfarrkirche bereits 1859 zur Propstei, die nach dem Zuzug katholischer Arbeiter während der Industrialisierung zur Mutterkirche mehrerer Tochtergemeinden wurde.
Die Propsteikirche besitzt mehrere hochrangige Kunstschätze, darunter eine westfälische Madonna (Sandstein, 1420), mehrere Plastiken aus gefasstem Holz – eine Madonna mit Kind (um 1470), den Ordensgründer Dominikus und den Dominikaner Thomas von Aquin (beide um 1480) – sowie eine sechseckige, schmiedeeiserne Leuchterkrone mit einer hölzernen Doppelmadonna (1523).
Der berühmte Baegert-Altar, der größte aus bemalten Tafeln bestehende, wandelbare Altaraufsatz des späten Mittelalters im nordwestdeutschen Raum, wurde zwischen 1470/75 und 1490 von dem niederrheinischen Maler Derick Baegert in Wesel geschaffen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bausubstanz der Kirche bis auf die Außenmauern zerstört (5. Mai 1943). Der Wiederaufbau konnte erst 1964 vollendet werden. In den Jahren 1969 bis 1972 kehrten die ausgelagerten mittelalterlichen Kunstschätze zurück.
An die Dominikaner, die die Propsteikirche erbauten, erinnern heute in Dortmund nur noch zwei Straßennamen: die „Schwarze-Brüder-Straße“ und die Straße „Mönchenwordt“.


22.05.2012
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