Glutenfreies Kochen im Ferienlager der St.-Elisabeth-Gemeinde in Bergkamen
Das Mehl blieb zu Hause
Bergkamen. Cäcilia und Peter Andrzejewski bringt so leicht nichts aus der Ruhe: „Das kriegen wir schon hin!“, scheint einer ihrer Grundsätze zu sein. Diese Ruhe und Gelassenheit sind vor allem dann gefragt, wenn das 58- und 59-jährige Ehepaar aus Bergkamen die Ferienfreizeiten der St.-Elisabeth-Gemeinde ihrer Heimatstadt begleitet. Und doch stand vor allem Cäcilia Andrzejewski in den Sommerferien des vergangenen Jahres einer besonderen Herausforderung gegenüber.
von Andreas Wiedenhaus
„Ein Kind, das an einer Gluten-Unverträglichkeit leidet, wollte gern mitfahren“, erinnert sich Cäcilia Andrzejewski. Gluten ist vor allem in Mehl enthalten – ganz gleich ob Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel oder Grünkern. Bei Menschen, die diesen Stoff genetisch bedingt nicht vertragen, kann das Gluten eine entzündliche Darmerkrankung auslösen, die weitreichende gesundheitliche Folgen haben kann. „Schon kleinste Mengen können gefährlich sein“, weiß Cäcilia Andrzejewski heute. Denn mittlerweile ist sie zu einer wirklichen Expertin geworden, was glutenfreies Kochen betrifft.
Cäcilia Andrzejewski: „Die Mutter von Florian Kirsch, der das Down-Syndrom hat, hat uns damals erst einmal einen Überblick darüber gegeben, was bei den Mahlzeiten zu beachten ist.“ Danach wurde dann im Team entschieden. „Schließlich übernimmt man schon eine große Verantwortung.“ Der Entschluss, dass Florian mitfahren sollte, stellt sich dabei im Rückblick als absolut richtig dar, wissen alle Beteiligten heute. „Florian hatte unglaublich viel Spaß. Dass er mitfuhr, war keineswegs eine Belastung, sondern im Gegenteil eine Bereicherung für alle.“
Für das Kochteam hieß das: Informieren, Planen, Aufpassen. Cäcilia Andrzejewski, Margret Beilke, Irene Langwald und „Küchenhelfer“ Lukas Möhring wollten und durften absolut kein Risiko eingehen. Ein Buch, das Florians Mutter ihnen gab, leistete dabei wertvolle Hilfe: „Darin sind alle glutenfreien Lebensmittel nach Marken und Anbietern sortiert. Ich hatte ja keine Ahnung worin dieser Stoff überall enthalten ist.“ Zumal Gluten auch häufig zum Gelieren oder als Träger von Aromastoffen Nahrungsmitteln zugesetzt werden. Vor der Fahrt wurden spezielle Nudeln, Brot und Kuchen für Florian eingekauft. Mehl wurde gar nicht mitgenommen. Cäcilia Andrzejewski: „Wir haben uns dann entschieden, für Florian nicht extra zu kochen, sondern haben die ganze übrige Verpflegung auf ihn zugeschnitten und komplett entsprechend gekocht.“ Das bedeutete für alle anderen, dass es zum Beispiel viel Obst und Gemüse gab. Unter gesundheitlichen Aspekten sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung.
„In Bodstedt in Mecklenburg sind wir dann jeden Morgen zum Einkaufen gefahren – immer mit unserem Buch unter dem Arm.“ Essen hat in so einem Ferienlager einen großen Stellenwert, weiß Cäcilia Andrzejewski. Entsprechend anspruchsvoll sah der Speiseplan für die 14 Ferientage aus. Was wäre zum Beispiel ein Mittagessen ohne Nachtisch? Also gab es jeden Tag ein selbst gemachtes Dessert. Die Reaktionen der Kinder reichten von „So etwas Leckeres habe ich noch nie gegessen!“ bis „Können Sie meiner Mutter nicht das Rezept geben?“
Geschmeckt hat es also allen, und für Florian passte die Verpflegung perfekt. Für ihn war das vielleicht nicht der ausschlaggebende Faktor dafür, dass er bereits für die diesjährige Freizeit auf Ameland wieder angemeldet ist. Schließlich stand für ihn der Spaß mit den anderen Kindern im Vordergrund.
Seine Eltern aber können sicher sein, dass ihr Kind bei den Gemeindefreizeiten „verpflegungstechnisch“ in den besten Händen ist. Und sie ihm ohne Sorgen um seine Gesundheit diese Freude machen können. Sie wissen, dass sie sich auf das Freizeitteam der St.-Elisabeth-Gemeinde absolut verlassen können.







