Aktuelle Ausgabe
2012-20

Entwicklungspsychologische Beratung: Neues Angebot der SkF-Schwangerenberatung Paderborn

Das Mutterglück sichtbar machen

Karin Storm, Schwangerschaftsberaterin beim SkF, hält mit der Videokamera den Moment fest, in dem alles stimmt zwischen Mutter und Kind. Foto: Claudia Auffenberg

Paderborn. Die Schwangerschaftsberatung vom Sozialdienst katholischer Frauen verwendet im Kreis Paderborn für die Beratung junger Mütter eine neue Methode: die entwicklungspsychologische Beratung mithilfe von Videobeobachtung.  

Der Streit gestern Abend mit dem Freund war wieder schlimm. Morgen droht der Weg zur Behörde und auf dem Küchentisch liegen etliche Formulare, die sie nicht versteht. Diese Gedanken beschäftigen die junge Mutter, während sie – von einer winzigen Videokamera beobachtet – ihr Kind wickelt. Das Baby ist Nebensache, wie so oft in letzter Zeit, denn die Probleme, mit denen sie sich plagt, wachsen ihr zunehmend über den Kopf. Wenigstens schreit das Kind nicht. Für alle Fälle liegt der Schnuller griffbereit. Später auf dem Video sieht man, dass die junge Frau an alles denkt, nur nicht an ihr Kind. Doch dann gibt es diesen einen, kostbaren Moment: Das Baby lächelt und sie lächelt zurück. Ein paar Sekunden nur und wahrscheinlich hat die Mutter es gar nicht bemerkt, doch jetzt sieht sie den Fotoausdruck. Sie sieht sich in einem Augenblick, in dem sie alles richtig macht.

Nach solchen Momenten fahndet Karin Storm, Schwangerschaftsberaterin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), neuerdings mit einer Videokamera. Entwicklungspsychologische Beratung, kurz EPB, nennt sich dieses neue Angebot, das der SkF jungen Müttern im Kreis Paderborn macht. Zwar heißt die Beratungsstelle Schwangerschaftsberatung, aber Karin Storm und ihre Kollegin Elisabeth Hake wenden sich auch an Frauen, die Kinder bis zum Alter von drei Jahren haben. „Bei dem neuen Angebot geht es darum, die Bindung zwischen Mutter und Kind zu stärken, indem die Mutter lernt, die Signale ihres Kindes zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren“, erläutert Karin Storm. Vor allem junge Mütter, die durch familiäre oder soziale Probleme belastet sind, erleben ihre kleinen Kinder leicht als zusätzlichen Stressfaktor. Das raubt die Achtsamkeit, das Baby wird nur abgefertigt, eine Situation, die die Beziehung zwischen Mutter und Kind zerstört. 

„Wir wollen den jungen Müttern helfen, die Freude am Kind nicht zu verlieren.“ Dazu werden Alltagssituationen auf Video aufgezeichnet und anschließend von den Beraterinnen ausgewertet, nach den Momenten durchforstet, in denen alles stimmt. Nur diesen Moment bekommt die Mutter dann als Fotoausdruck zu sehen. Es geht um positive Verstärkung. „Viele junge Mütter sind auch deswegen sehr unsicher, weil sie selbst als Kinder nicht gelernt haben, was es heißt, Zuwendung zu erfahren“, weiß Karin Storm. Dennoch machen diese Mütter intuitiv vieles richtig; und da setzt die Beratung an. Karin Storm erzählt, sie selbst sei immer wieder ganz berührt, zu sehen, was dieses eine positive Bild in jungen Müttern auslöse. Sie erleben sich dann als „gute Mutter“ und mal nicht als Versagerin. 

Dieser positive Ansatz wird nach Elisabeth Hakes Erfahrung immer wichtiger. Die Bedingungen für Familien hätten sich verschlechtert. Seitens der Behörden werde schneller und rigider sanktioniert, die Hilfen dagegen zurückgefahren. „Da springen wir als freie Träger ein“, so Elisabeth Hake, „und mit dem neuen Angebot wollen wir jungen Frauen helfen, später möglichst wenig Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.“


22.05.2012
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