Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kolping-Bildungstätte in Nieheim wird Ende des Jahres geschlossen / 19 Mitarbeiter betroffen

Das Weberhaus steht vor dem Aus

Nieheim/Erzbistum. Das Weberhaus Nieheim steht vor dem Aus als Bildungseinrichtung: „Die Kolping-Bildungsstätte Weberhaus Nieheim schließt im vierten Quartal dieses Jahres ihre Pforten als Heimvolkshochschule“, ist in einer Mitteilung auf der Internetseite des Kolping-Diözesanverbandes Paderborn zu lesen. Betroffen von der Schließung der 1962 gegründeten Einrichtung sind 19 Mitarbeiter.

von Andreas Wiedenhaus 

„Vor dem Hintergrund, dass sich die Bildungslandschaft in den vergangenen fünf Jahren massiv verändert hat, gab es keine Alternative zu dieser Entscheidung“, begründet Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, die Schließung.

Das Weberhaus habe sich angesichts dieser negativen Entwicklung nicht mehr wirtschaftlich führen lassen. Gelhard: „Die Klientel, die früher die entsprechenden Bildungsveranstaltungen besucht hat, gibt es heute so nicht mehr.“ Auch die Belegung durch andere Gruppen sei stark zurückgegangen.

Zudem hätten umfangreiche Investitionen im Gebäude angestanden, erläutert der Geschäftsführer: „Um das Haus wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, wäre eine siebenstellige Summe notwendig gewesen.“ Das sei angesichts der beschriebenen wegbrechenden Entwicklung in der Bildungslandschaft wirtschaftlich nicht zu verantworten gewesen.

Für die 19 Mitarbeiter des Hauses, denen aus betriebswirtschaftlichen Gründen gekündigt werden muss, werde, so Gelhard, derzeit alles getan, damit sie wieder eine berufliche Perspektive erhielten.

Was mit der Immobilie, die dem Kolping-Diözesanverband gehört, passieren soll, steht noch nicht fest. Laut Gelhard gebe es derzeit unter anderem Überlegungen, dort beispielsweise eine Altenhilfeeinrichtung entstehen zu lassen: „Wir führen bereits Gespräche, auch die Stadt und die Kirchengemeinde sind mit im Boot.“

Denkbar sei sowohl eine Verpachtung oder Vermietung des Hauses als auch die Möglichkeit, dort selbst aktiv zu werden. Wichtig sei bei allen Aktivitäten, dass der Standort grundsätzlich erhalten bleibe und dort Arbeitsplätze entstünden. „Wir sind optimistisch, bis Ostern schon einen ganzen Schritt weiter zu sein, was die Zukunft des Weberhauses betrifft“, sagt Gelhard. Er hoffe, dass sich bis dahin auch bereits entsprechende Perspektiven für die Mitarbeiter abzeichneten.

Als Alternative zu solchen traditionellen Bildungseinrichtungen wie dem Weberhaus verweist Wolfgang Gelhard auf Kolping-Tagungshotels wie das Aspethera in Paderborn: „Dort finden die Teilnehmer den Standard, den der ein oder andere zuletzt im Weberhaus vielleicht vermisst hat.“ Derzeit entstehen in Soest und Witten weitere Kolping-Hotels. 

Hintergrund

1962 wurde das Weberhaus als Kolping-Bildungssättte eingeweiht. Seinen Namen verdankt es dem Arzt und Politiker Friedrich Wilhelm Weber (1813 bis 1894), der dort von 1887 bis zu seinem Tod wohnte. Weber war auch als Schriftsteller aktiv, große Bekanntheit erlangte sein 1878 veröffentlichtes Epos „Dreizehnlinden“. Nachdem in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Abriss des Hauses diskutiert wurde, übernahm der Kolping-Diözesanverband das Gebäude und richtete die Bildungsstätte ein.

 

 

 


22.05.2012
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