Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ausstellung im Werler „Forum der Völker“ mit Krippen aus aller Welt

Das Zebra ersetzt den Esel

Maria und Josef flüchten in einem Auto – eine von 600 Krippen, die derzeit im Werler „Forum der Völker“ zu sehen sind.Foto: Kolossa

Werl (JK). Die Botschaft der Geburt Jesu ist allumfassend und grenzenlos – entsprechend vielfältig sind die Darstellungen des weihnachtlichen Geschehens in Bethlehem. Keine Krippe gleicht im Detail der anderen. Jede setzt ganz persönliche Schwerpunkte, die sich in vielen Details zeigen. 600 Krippendarstellungen aus 60 Ländern sind derzeit im Museum „Forum der Völker“ an der Meisterstraße 15 in Werl zu sehen. 

Im Völkerkundemuseum der Franziskaner hat Pater Reinhard Kellerhoff eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen, die auch in den unterschiedlichen Darstellungsweisen einmalig ist. „Sehen ist verstehen“ – die Bedeutung erschließt sich ganz besonders bei den Führungen Pater Kellerhoffs durch die vielfältige Krippenlandschaft des Museums.

Zu jeder Krippe gibt es eine Geschichte, sodass der Besucher nicht nur etwas über das Ursprungsland und seine Bewohner, sondern auch über Einzelschicksale erfährt. Ob Künstler, Familie, oder etwa der Straßenjunge, der Pater Kellerhoff täglich über eine ganze Zeit eine weitere selbst geschnitzte Figur verkaufte, bis schließlich die Krippe komplett war: „Solche Figuren betrachtet man dann mit ganz anderen Augen“, fasst Pater Kellerhoff zusammen. 

„Krippendarstellungen gibt es seit dem 3. Jahrhundert in Rom“, erläutert der Franziskaner die Ursprünge. Fanziskus von Assisi hat 1223 in Greccio das erste Krippenspiel mit lebenden Figuren inszeniert. Aus dieser franziskanischen Tradition heraus, das Weihnachtsgeschehen in Bildern darzustellen, ist eine lebendige Krippenkultur geworden. Pater Kellerhoff: „Jeder Kontinent und jedes Land stellt die Menschwerdung Jesu in seinen landestypischen Formen und Farben dar.“

Den Platz von Ochse und Esel nehmen deshalb in Afrika Zebra und Giraffe ein. In traditioneller Tracht stellen die Koreaner die Figuren dar, während die peruanischen Krippen die Züge der Indios aus den Anden tragen. Unzählige Einzelheiten gibt es, die oft erst beim zweiten Blick ins Auge fallen: Etwa wenn Maria und Josef mit einem voll bepackten Auto flüchten. 


22.05.2012
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