Der koptische Bischof Anba Damian setzt in Borgentreich auf Sonnenenergie
Das ökologische Dorf
Borgentreich. Bischof Anba Damian richtet seinen Blick gen Himmel, der Sonne entgegen. Dort erblickt er die Zukunft, gleich einer Vision. „3 450 Quadratmeter perfekte Fläche mit 25 Prozent Dachneigung gen Süden“, sagt Damian, der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche für ganz Deutschland mit Sitz im Kloster Brenkhausen bei Höxter ist. Er will die Kraft der Sonne nutzen und die strahlend-reine Energie in Fotovoltaik-Anlagen speisen. Fläche für die Module hat der Bischof genug, denn die koptische Kirche besitzt die ehemalige Borgentreicher Kaserne mit den zitierten 3 450 Quadratmetern perfekter Dachfläche.
von Sandra Wamers
Schon bald soll die Vision konkrete Gestalt annehmen. „Energie Plus“, nennt Bischof Anba Damian den Projekt-Namen. Er blickt optimistisch auf das Unternehmen. „Bei Energie Plus produzieren die Fotovoltaik-Anlagen mehr Strom als die Bewohner verbrauchen können. Der Überschuss kann verkauft werden“, präsentiert der Kirchenmann aus Kairo die wirtschaftliche Rechnung mit einem geschätzten Jahresgewinn von 400 000 Euro. Die Idee steht, allerdings fehlen bislang die Investoren.
Ideengeber der regenerativen Energiegewinnung waren Architektur-Studenten der Kasseler Universität. Die Studenten hatten vor rund einem Jahr ein Nutzungskonzept für das ehemalige Kasernen-Gelände, das 1997 von der Koptischen Kirche gekauft wurde, ersonnen. Die Pläne für das sogenannte „energieautarke Kulturzentrum Maihof“ sind bei Bischof Damian nicht in die Schublade gewandert, sondern haben im Hinterkopf gearbeitet. Jetzt will Damian das Energie-Konzept angehen.
Auf der Gästeliste ganz oben stehen Unternehmer aus der arabischen Wirtschaftswelt. Sie will der Bischof der Koptischen Kirche in Deutschland vom „deutschen Technik-Know-how“ überzeugen. „Wenn die
Fotovoltaik-Module installiert sind, sollen uns Gäste aus arabischen Ländern in Borgentreich besuchen“, erzählt der Bischof. Das Konzept des „Ökologischen Dorfs“ nahe Borgentreich mit der regenerativen Energiegewinnung soll zum Exportschlager werden. „Das deutsche Know-how kann auch arabische Märkte erobern, schließlich scheint in Ägypten 365 Tage im Jahr die Sonne“, weiß der gebürtige Kairoer. Neben dem Export setzt der 54-jährige Würdenträger zugleich auf den Importmarkt. Ebenfalls unter dem Schlagwort „Ökologie“, speziell ökologische Dämmung. „In Ägypten werden Baumwolle und Leinen produziert, das sind prima Isolierstoffe“, schwärmt Bischof Damian – „umweltfreundlich, recycelbar, preiswert und gesund.“ Diese Materialien könnten auch deutsche Wände warm halten, ist sich Anba Damian sicher.
Neben den Geschäftsplänen steht für den Geistlichen die Gemeinnützigkeit ganz oben auf der Agenda. Die ökologischen Dämm-Materialien aus Ägypten sollen zu fairen Konditionen vertrieben werden. „Das schafft Arbeitsplätze, und das ist die beste Form der Entwicklungshilfe“, betont der Bischof. Die Ideen stehen, allein die Gelder fließen noch nicht. Für die Installation der Fotovoltaik-Anlagen sucht Bischof Damian derzeit nach Investoren: „Vielleicht nach Idealisten, auf jeden Fall aber nach fairen Partnern.“







