Kommentar
Datenklau ohne Problem
Zum wiederholten Male sind in der vergangenen Woche Kontodaten von Bürgern auf dem freien Markt angeboten worden. Diesmal handelte es sich um die kompletten Umsätze mit Kontonummer und Geheimzahl von Kreditkartenabrechnungen.
Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM
„Die Menschen werden in der Anonymität dieser virtuellen Welt völlig hemmungslos“, hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am vergangenen Wochenende im Interview gesagt. Was aus seiner Sicht eher problematisch für die Sicherheit des Landes ist, bekam durch die Meldung über die Abrechnungsfirma für Kreditkarten einen besonderen Geschmack. Wieder einmal sind sensible Kontodaten auf dem Markt. Nicht irgendwelche, sondern komplette Einkaufslisten.
Wer in den 80er-Jahren noch gegen eine Rasterfahndung der Behörden demonstrierte, ist von der Wirklichkeit längst überholt worden: Über das Internet gibt es derzeit fast alle Daten frei Haus, was noch fehlt, liefern Callcenter oder Adressenhändler. Der durchsichtige Bürger ist Wirklichkeit geworden.
Selbst, wer meint, er habe nichts zu verbergen, wird sich noch wundern, was mit diesen Daten im Alltag eines Menschen alles anzustellen ist. Ein leergeräumtes Konto dürfte Lehre genug sein. Deshalb ist absolute Zurückhaltung geboten. Beim Einkauf bei amazon ebenso wie beim Eintrag auf stayfriends. Der Nutzen des Internet hat den Pferdefuß der unsicheren Daten. Dort Vorsicht walten zu lassen, ist absolute Pflicht. Zudem sollte man Menschen, die mittlerweile wieder lieber ohne EC-Karte bezahlen, nicht verlachen. Denn jede Zahlung hinterlässt Spuren. Keine auszustreuen, ist ein Aufwand, der sich aber lohnt.






