Buch über die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs in Mastholte vorgestellt
„Deine Toten leben“
Rietberg-Mastholte. Nein, so ein richtiges Buch sei es nicht, sagt Franz Sellemerten. Und tatsächlich handelt es sich bei „Deine Toten leben“ eher um eine Art Sammlung des Archivars aus Rietberg-Mastholte. Diese dokumentiert die Schicksale von 201 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten sowie zwei Zivilopfern aus den ehemaligen Gemeinden Mastholte und Möse und wurde nun der Öffentlichkeit vorgestellt.
Von Ruth Lakenbrink
Schlicht ist sie, die Sammlung. Keine langatmigen Kapitel, keine geschichtlichen Ausschweifungen, lediglich die Gefallenen und ihr Schicksal werden dokumentiert. Und um den Sammlungscharakter noch zusätzlich zu unterstreichen, kommt das Buch als Hefter daher, mitsamt Ringlochung und der Möglichkeit, Seiten herauszunehmen oder neues Material hinzuzufügen.
„Die Familien der Gefallenen sollten ihre eigenen Unterlagen dazuheften können“, begründet Sellemerten die ungewöhnliche Aufmachung. Eine kurze Einleitung zu der Entstehung des Buchs, dann widmet sich die Sammlung direkt den Opfern. Totenbriefe, Lebensdaten, Briefe und Kartenmaterial vom jeweiligen Todesort. Sellemerten hat zusammengetragen, was er finden konnte, um die Toten zu würdigen und ihren Verbleib zu beschreiben.
Entstanden ist die Buchidee durch eine Anregung aus dem benachbarten Benteler. Dort fand eine Wanderausstellung der Deutschen Kriegsgräberfürsorge statt, die Gerd Stöppel, den Oberst und General der Schützenbruderschaft St. Jakobus, auf den Gedanken brachte, auch die Schicksale der Mastholter Gefallenen zu dokumentieren. Er gab die Anregung an den Vereinsarchivar Franz Sellemerten weiter, der sich vor vier Jahren an die Recherchen begab.
Ausgangspunkt seiner Nachforschungen waren die Gedenktafeln in der Kirche St. Jakobus, die 188 Gefallene auflisten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Gedenktafeln, die 1978 die zuvor aufgestellten Holzkreuze ersetzten, unvollständig und zum Teil falsch waren. 13 Soldatennamen fehlten.
Sellemertens Suche führte ihn in zahlreiche Kirchenarchive, zu Privatpersonen und Organisationen quer durch die Republik. In sechs Fällen brachten die eher zufällig gefundenen Unterlagen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in München Gewissheit. „Es war eine schöne Arbeit, im Land herumzureisen und mit Leuten zu sprechen“, bilanziert der Archivar die vergangenen vier Jahre. „Mit diesem Buch sollen viele junge Leute für die schrecklichen Ereignisse des Krieges sensibilisiert werden“, beschreiben Sellemerten und seine Schützenbrüder die Motivation zu dem aufwendigen Buch, das dank großzügiger Spenden, unter anderem der Bürgerstiftung Rietberg und der Stiftung Mastholter Wirtschaft, zu einem vergleichsweise günstigen Preis von 16 Euro verkauft werden kann. Sollte die Erstauflage von 162 Exemplaren jedoch verkauft sein, dürfte der Preis deutlich steigen.







