Pilger aus dem Erzbistum Paderborn bei Gottesdiensten mit Benedikt XVI.
Dem Papst ganz nah
Der Papst hat bei seinem Deutschlandbesuch die Massen bewegt. 90000 Gläubige jubelten ihm in Etzelsbach zu. Auf dem Erfurter Domplatz waren es fast 30000. Auch aus dem Erzbistum Paderborn hatten sich zahlreiche Pilger auf den Weg zu einem der Gottesdienste gemacht.
von Volker Resing und Birgit Wilke (KNA)
Voller Freude auf den Papst sind sie am Freitagmorgen am Paderborner Hauptbahnhof gestartet: 32 Kranke und Behinderte aus dem gesamten Erzbistum Paderborn waren an Bord eines Reisebusses und zweier Spezialtransporter, die sich auf den Weg nach Thüringen machten. Der Malteser-Krankendienst brachte sie zur Vesper nach Etzelsbach.
Heinz-Georg Peters aus Olsberg, Frederik Luecke aus Herne und Eva Maria Limberg aus Dortmund waren mit den Maltesern bereits in Lourdes. Nun nutzten sie die Chance, den Papst in Deutschland zu sehen. Schon während der Fahrt stimmten sich die Kranken und ihre 30 Begleiter mit einem eigenen Pilgerbuch auf den Papstbesuch ein. Zur Vesper um 17 Uhr saßen sie dann vorn in der ersten Reihe und jubelten Benedikt XVI. zu.
Als der Papst in dem winzigen Marienort mit einem blauen Hubschrauber einschwebte, empfingen ihn 90000 Gläubige mit lauten „Benedetto“-Rufen und machten den päpstlichen Abstecher in die katholische Enklave im Osten zu einer Art Triumphzug.
Der Papst zeigte sich sichtlich gerührt von dem begeisterten Empfang. In Abweichung von seinem Redemanuskript wandte er sich den Versammelten zu und dankte für die enthusiastische Begrüßung. „Seit meiner Jugend habe ich vom Eichsfeld gehört“, sagte er. „Es ist immer mein Wunsch gewesen, einmal mit euch zu beten.“ In Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff und zahlreichen Ehrengästen feierte Benedikt XVI. in Etzelsbach eine Marienvesper.
„Die feierliche Marienvesper mit Papst Benedikt XVI. im Abendsonnenschein war für alle Teilnehmer trotz der Weite des Platzes ein großes Ereignis“, berichtet Pfarrer Michael Schmitt aus der Gemeinde St. Johannes Evangelist in Sundern. 85 Pilger aus der Pfarrei und den Nachbargemeinden waren am Morgen mit dem Bus ins Eichsfeld gefahren und hatten sich dann zu Fuß auf den sechs Kilometer langen Weg durch die geschmückten Dörfer zum Pilgerfeld in Etzelsbach gemacht.
Die mit Spannung erwartete Ankunft des Papstes, sein begeisterter Empfang und die Fahrt mit dem Papamobil waren besondere Höhepunkte dieses Abends, schildert Pfarrer Wolfgang Fabian, der mit einer Gruppe aus dem Pastoralverbund Warburg Stadt und Land angereist war. „Die ansprechend gestaltete Marienvesper, die Treue der Eichsfelder zu ihrer Heimat und zur Kirche sowie die einfühlsamen Worte des Papstes haben bei uns als auswärtigen Besuchern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“
Im Rahmen der Einführungstage des Pauluskollegs in Paderborn nahmen auch die 45 neuen Studierenden der Religionspädagogik der Katholischen Hochschule NRW an der Vesper mit Papst Benedikt XVI. teil. Für viele von ihnen war es in diesem Jahr schon die zweite Begegnung – nach dem Weltjugendtag in Spanien.
Sie sind sich einig, dass der Papst Ausstrahlung hat und Worte findet, die sie bestärken, sich auf ihren zukünftigen Dienst als Gemeindereferentinnen und -referenten vorzubereiten. „Eindeutig war der Gottesdienst mit dem Heiligen Vater der Höhepunkt ihrer ersten gemeinsamen Schritte auf dem Weg in das Studium“, berichtet Domvikar Hans Jürgen Rade, der Rektor des Pauluskollegs.
Als der Papst sich verabschiedete, dämmert es schon und der Himmel verfärbte sich ganz vatikanisch gelb-weiß. Das mag man außerhalb des Eichsfelds übertrieben finden oder kitschig. Aber in Etzelsbach war es nun mal so. Und die Gläubigen in dem kleinen schmucken Winkel zwischen Thüringen und Niedersachsen wussten es schon immer. „Er kommt – und es wird wunderbar.“
Als die Teilnehmer aus Sundern gegen Mitternacht wieder das Sauerland erreichten, bereiteten sich die nächsten Pilger bereits auf den Gottesdienst auf dem Erfurter Domplatz am Samstagmorgen vor. Schon in der Nacht machten sich tausende Menschen auf den Weg. Die ersten zogen um kurz nach drei durch die Altstadt von Erfurt, um sich die besten Plätze für die Messe mit Papst Benedikt XVI. zu sichern. Dabei waren auch rund 40 Katholiken aus dem Pastoralverbund Hüttental-Freudenberg im Raum Siegen.
Pfarrer Karl-Hans Köhle hatte im vergangenen Jahr selbst noch nichts von einer Deutschlandvisite des Papstes gehört, als sich die ersten aus seinem Pastoralverbund bei ihm meldeten und Interesse an einer Messe mit Papst Benedikt XVI. anmeldeten. Nach und nach riefen immer mehr Katholiken an, darunter auch einige Polen aus dem Pfarrverbund. Am Tag der Papstmesse war die Gruppe um kurz nach Mitternacht mit dem Bus aufgebrochen und schließlich um halb sechs in Erfurt angekommen. Zwei Sicherheitsschleusen mussten die Männer und Frauen passieren – dann waren sie am Ziel.
Vor der Kulisse des Doms und der Severikirche würdigte der Papst die Glaubenstreue vieler Katholiken zu DDR-Zeiten. „Sie haben persönliche Nachteile in Kauf genommen, um ihren Glauben zu leben.“ Er rief die Menschen auf, die durch den Mauerfall entstandene neue Situation zu nutzen und den Glauben auch nach außen zu leben.
Die Messe mit Papst Benedikt XVI. habe die Siegener sehr bewegt. Köhle fand sie „sehr getragen und würdig“. Auch habe es ihn gefreut, dass das Oberhaupt der Katholiken das Festhalten der ostdeutschen Katholiken an ihrem Glauben würdigte. Und noch etwas war bemerkenswert für den Pfarrer: „Dass so viele Menschen auch die Stillezeiten einhalten können – einfach unglaublich.“







