Jesuiten Novize hat sich für Christus entschieden
Dem Richtigen folgen
Aachen. Die Antwort kommt klar, schnell und ohne den Hauch eines Zweifels. „Das Anspruchsvolle hat mich schon immer gereizt“, sagt René Pachmann. Vor gut anderthalb Jahren hat der 28-Jährige eine Lebensentscheidung gefällt und ist in das Noviziat der Jesuiten eingetreten. „Die Jesuiten trauen dem Individuum sehr viel zu. Die Erwartungen sind da sehr hoch. Das kommt dem, was ich als Berufung bezeichne, sehr nahe.“
von Andreas Kaiser
Anders als in einem monastischen Orden, wo das Kloster selbst, die feierlichen Rituale, die feste Tagesstruktur, das gemeinsame Stundengebet für die meisten Neulinge gute Gründe zum Bleiben bietet, entfällt all dies bei der Societas Jesu (SJ), wie der größte katholische Männerorden offiziell heißt. Jesuiten sind weder auf einen bestimmten Ort, noch auf bestimmte Aufgaben festgelegt. Ihre Sendung erinnert eher an die Aussage Christi im Lukasevangelium: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Bei der Nachfolge geht es demnach weniger um einen realen Wohnort als vielmehr um innere Beheimatung.
Die Menschen die zu uns kommen, suchen Spiritualität und Gemeinschaft, so Lutz Müller, der bei den Jesuiten für die Berufungspastoral zuständig ist. „Sie suchen ein entschiedenes Leben jenseits der Beliebigkeit.“ Einige Anwärter kommen, so wie Pachmann, direkt aus dem Priesterseminar. Eine Anstellung als Pfarrer erscheint heute immer weniger jungen Menschen – angesichts überbordender Terminkalender, zunehmender Isolation und Stellenabbau – als verlockend. Die Orden dagegen bieten geistlichen Zusammenhalt. Bei den Jesuiten sorgen vor allem regelmäßige Exerzitien für Erdung und Stärkung im Glauben.
Von etlichen Ordensleuten ist zudem zu hören, dass sie sich für ein bürgerliches Leben mit Arbeit und Jahresurlaub auf Mallorca eher ungeeignet fühlten. Auch Pachmann hatte diesbezüglich stets Zweifel „Ich wäre gerne Vater. Ich mag Kinder. Trotzdem weiß ich nicht, ob mir das auf Dauer reichen würde. Auch weiß ich nicht, ob ich die Verantwortung einer Frau gegenüber mein ganzes Leben durchhalten könnte.“ Dann spricht Pachmann über das Begriffspaar Enge und Weite. Weite biete ihm vor allem der Glaube. „Die Welt ist unsere Kathedrale. Wir haben das Ganze im Blick“, sagt Müller.
Solche Aussagen können begeistern. Doch Pachmann ist keiner, der zu voreiligen Schlüssen neigt. Seinen Weg hat er gründlich bedacht. So wie das auch Pater Müller empfiehlt. Bei einer Lebensentscheidung sollten alle inneren Instanzen gehört werden: Kopf und Bauch. „Gottes Rufen erkenne ich, indem ich auf mein Leben gucke, auf mein Herz höre, meine Interessen betrachte, meine Talente, meine Möglichkeiten realistisch einschätze, meine Hoffnungen und Sehnsüchte anschaue. All dies ergibt ein Gesamtbild“, sagt Pachmann.
Ganz ähnlich sieht dies wohl auch Pachmanns Mutter. Als sie vom Vorhaben ihres Sohnes erfuhr, sagte sie nur: „Mach das! Wenn Du dich dafür nicht verbiegen musst … .“
Pachmann hat sich ausprobiert. Unmittelbar nach dem Abitur, einige Zeit nachdem seine erste Liebe in die Brüche ging, hat er sich in ein Karmelitenkloster zurückgezogen. „Wollte man psychologisieren, war das damals sicherlich eine Mischung aus Liebeskummer und Gottessuche“, sagt Pachmann heute. Vor allem aber hatte er am Ende seines Postulats erkannt: „Ich muss raus in die Welt. Ich will nicht nur in Stille bei Gott sitzen. Ich möchte den Menschen dienen. Das Leben ist ein Geschenk Gottes. Das möchte ich weitergeben.“
Auf seinem Weg hin zu Gott, hinein in den Orden gab es auch äußere Zeichen. Und auch bereits zu Anfang seines Theologiestudiums sei er sich sicher gewesen: „Der wiedergeborene Christus will in uns geboren werden. Das ist unsere Aufgabe als Christen: Gott ausstrahlen in diese Welt. Und ich will das nicht irgendwo machen. Sondern in seiner Kirche.“
Nicht nur Gott, auch das Zeichen nach außen ist Pachmann wichtig. Mit seiner Bekleidung pflegt er bewusst eine Sonntagskultur, wie er sagt. Weißes Hemd, schwarze Hosen. Auch die Eucharistie ist für Pachmann innere Beheimatung. Wenn er von der Messe spricht leuchten seine Augen, dann sprühen die Wörter. „Wir feiern Gott. Wir feiern mit ihm. Gott feiert mit uns. Und wir feiern durch ihn, weil er Mensch geworden ist – für uns! Um bei uns zu sein.“
Auf die Frage ob er nicht Angst habe, dass ihm angesichts eines Lebens in eheloser Keuschheit, Armut und Gehorsam zu viele Kanten seiner Persönlichkeit abgestoßen werden könnten, antwortet der Novize: „Das wäre nicht das Schlimmste, wenn noch ein paar Sünden wegfielen.“ Nach einer Pause für er hinzu: „Zum Beispiel Eigensinn, Hochmut.“ Dann erklärt Pachmann, dass für ihn Armut vor allem innere Loslösung sei. „Mich nicht an Äußerlichkeiten zu verlieren.“ Denn Gott wohnt innen, sagt er, der sich auf den Weg der Nachfolge begegeben hat.








