Der Weihnachts- und Neujahrsgruß von Propst Andreas Coersmeier
Den Menschen nahe sein
Dortmund. Viel Positives hat Propst Andreas Coersmeier (Foto) im ausgehenden Jahr im Leben der katholischen Kirche in Dortmund entdeckt – nicht zuletzt den Katholikentag, der Ende August ein „buntes Fest des Glaubens“ gewesen sei. Gleichzeitig weist er in seinem Weihnachts- und Neujahrsgruß darauf hin, dass gerade die Großstadt die katholische Kirche mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Ein vorrangiges Ziel sei es dementsprechend, im Jahr 2009 gerade die schwierige Lage von Kindern aus sozial benachteiligten Schichten nicht aus dem Blick zu verlieren.
von Andreas Coersmeier
„... da berühren sich Himmel und Erde...“ – keine Frage, der Dortmunder Katholikentag war 2008 Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit. Dabei war der Tag kein Selbstzweck, sondern Kristallisationsort der Fragen, die uns noch weiter beschäftigen werden: Die Zusammenarbeit im Dekanat Dortmund, die Entwicklung der Pastoralverbünde, die steigende Armut, insbesondere Kinderarmut und Hilfen dagegen oder die Fragen einer Pastoral, die besondere Zielgruppen im Blick hat.
Aber nicht nur das. In der Rückschau am Jahresende erscheint mir der Dortmunder Katholikentag auch als ein buntes und vielfältiges Fest des Glaubens, mit einem eindrucksvollen Abschlussgottesdienst unter dem großen Zeltdach. Beim Lichtmesstreffen 2008 haben wir mit einem Vorgeschmack auf den Dortmunder Katholikentag begonnen und am 30. August zeigte sich, dass die Erwartungen nicht enttäuscht wurden.
Beim Dortmunder Katholikentag, aber auch schon zu Beginn des Jahres beim Reinoldustag, war die soziale Lage in Dortmund ein Thema. Der Dortmunder Sozialbericht und der Sozialstrukturatlas dokumentieren die Situation. Soziale Verwerfungen und Problembezirke werden sichtbar.
Besonders erschreckend ist die große Zahl von Armut betroffener Kinder. Armut heißt in diesem Zusammenhang zwar nicht Verelendung, davor schützt unser soziales System, aber diese Armut bedeutet für die Kinder schlechtere Startchancen bei der Bildung und der gesundheitlichen Entwicklung sowie eingeschränkte Möglichkeiten, am üblichen gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen.
Ergänzend zu unseren bestehenden karitativen Diensten haben wir deshalb im Mai den „Hilfsfonds Dortmunder Kinder in Not“ für unmittelbare Soforthilfen gegründet. Sehr viel Unterstützung hat diese Initiative seitdem erfahren. Allen Spendern sei herzlich gedankt, ebenso wie den Borussia-Spielern Nelson Valdez und Dede, die Kalender für „Dortmunder Kinder in Not“ signierten.
Die Katholische Stadtkirche Dortmund, von der hier rückblickend anhand einiger Beispiele des ausklingenden Jahres die Rede ist, – ohne Propst i. R. Paul Montag wäre sie nicht das, was sie heute ist. Am 12. Februar 2008 verstarb Paul Montag im Alter von 81 Jahren. Die Nähe zu den Menschen war Propst Montag immer ein wichtiges Anliegen.
Wie erreichen wir diese Nähe heute? Wie lassen sich die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensbereichen und Lebensstilen ansprechen? Was erwarten Sie von der Kirche? Wie kann sich Nähe und Heimat in größeren Räumen entwickeln? Diese Fragen beschäftigen uns seit einiger Zeit bei der Konzeptentwicklung in den Pastoralverbünden. Zum 1. Januar des neuen Jahres tritt die Neufassung des Statuts für die Pastoralverbünde in Kraft. Es sieht ausdrücklich auch größere Einheiten als die bisher bestehenden Verbünde vor. Der Blick auf die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung macht es notwendig, bestehende Räume neu zu überdenken.
Gemeinschaft und Gemeinde war und ist ein Wesensmerkmal von Kirche und wird es auch bleiben. Die Strukturen in denen sich die Gemeinschaft findet, sind wandelbar und müssen den jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Entscheidend ist die Ausrichtung auf den menschenfreundlichen Gott in Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.
Mit Blick auf das neue Jahr schließe ich mit dem Auszug aus einem Gebet:
„Du Gott des Aufbruchs, begleite und behüte uns, wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden, wenn wir fest getretene Wege verlassen, wenn wir dankbar zurückschauen und doch neue Wege wagen.“
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr 2009.







