Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Den Opfern nicht schaden

von Matthias Nückel

Kindesmissbrauch ist ein schweres Verbrechen. Wer ein Kind sexuell missbraucht, schädigt es für sein ganzes Leben. Im deutschen Strafrecht wird dies in zwei Punkten nicht entsprechend berücksichtigt. Zum einen dürfte Missbrauch nicht verjähren. Schließlich verjährt auch das Leid der Opfer nicht. Zum anderen sind die Strafen oft zu gering. Wenn Täter mit Bewährungsstrafen davonkommen, ist dies nicht zu ertragen.
Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Verbrechen, das zigtausendfach jedes Jahr in Deutschland verübt wird. Niemand kennt die Dunkelziffer neben den polizeilich bekannten Taten. Missbrauch ist zudem ein Verbrechen, das in allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt.
Durch eine Veröffentlichung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in der vergangenen Woche wurde jedoch der Eindruck erweckt, als sei Kindesmissbrauch ein ureignes Problem der katholischen Kirche. Aufgrund von 94 Verdächtigen in den vergangenen 15 Jahren berichteten manche Medien über das Thema, als seien Priester die Mehrheit der Täter.
Genau das Gegenteil jedoch ist der Fall. Bei nichtzölibatär lebenden Männern ist die Gefahr, zu Tätern zu werden, 36-mal höher als bei Priestern, stellt der Kriminalpsychiater Professor Hans-Ludwig Kröber fest. Die Geisteshaltung, in der Priester lebten, schütze sie weitgehend davor, zu Tätern zu werden. Es gibt also keinen Grund, Priester oder den Zölibat zu verunglimpfen.
Leider bestätigen Ausnahmen die Regel. Wer diese schändlichen Taten aber nutzt, um eine Kampagne gegen die katholische Kirche loszutreten, der lenkt vom Grundproblem ab und schadet letztlich allen anderen Opfern.
Die Opfer jedoch gehören in den Mittelpunkt. Ihnen muss zuallererst geholfen werden.


22.05.2012
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