Gedanken zum Evangelium
Der Kampf zwischen Gut und Böse
Wie oft sind wir nicht Herr unserer selbst. Auch in uns entscheidet sich der Kampf zwischen Gut und Böse, auch wir brauchen Jesus, den Heiler, erinnert der Hövelhofer Pfarrer Bernd Haase in seiner Evangeliumsbetrachtung.
von Bernd Haase
Sie sind uns sehr fremd, die Berichte der Schrift, in denen „unreine Geister“ vorkommen. Aber gleichzeitig stehen wir – auch heute – oft sprachlos vor den Auswirkungen des Bösen, die Nachrichten sind voll davon. Natürlich: Geister oder Dämonen sind dafür eine denkbar schlechte Erklärung. Doch es drängt sich das Gefühl auf, dass der Verweis auf den Einfluss der Gene, auf falsche Erziehung oder das schlechte soziale Umfeld nur eine oberflächliche Erklärung bieten.
Johann Wolfgang Goethe hat einmal gesagt: „Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens.“ Das heißt doch: Wir Menschen sind es, die diesen Kampf, diesen Konflikt auszutragen haben. Wir sind es, die glauben oder nicht glauben können; denen es gelingt, das Gute zu tun oder das Gegenteil. Und da ist etwas, das uns immer wieder verwirrt, weil wir es eben nicht erklären können: Die Tatsache, das beides in uns steckt, die Anlage zum Guten und die Anlage zum Bösen!
Wir machen die Erfahrung, dass wir in vielem nicht Herr unseres Lebens, unseres Tuns und Redens sind, sondern dass wir fremdbestimmt sind, ja sogar in gewisser Weise besessen insofern, als wir so manchesmal – häufiger, als uns lieb ist – nicht Herr über uns selbst sind. Das ist eine Erfahrung, die wir nicht nur an uns selbst, sondern auch an anderen beobachten. Menschen können fremdbestimmt werden, können besessen sein von einer Meinung, von Macht und Besitz, Hass und Gewalt, Angst und Neid.
Das, was uns das Evangelium berichtet, das gibt es auch heute, wenn auch unter anderem Namen. Es ist der Kampf zwischen Gut und Böse, eine Auseinandersetzung, die durch alle Zeiten geht bis zum heutigen Tag, mitten durch unser Leben.
Das Evangelium zeigt uns Jesus Christus als Heiland und Erlöser. Er ist der Heiland, der heil machen kann; er ist der Erlöser, der Salvator, der frei macht von Angst und Besessenheit, welche Form diese Besessenheit auch haben mag!
Die Heilung und Befreiung durch die Gegenwart Jesu ist ein harter, schmerzhafter Prozess mit Zittern, Schreien und Abwehr, ähnlich dem Fieber oder Schüttelfrost bei einer Grippe. Das zeigt auch die Reaktion der Umstehenden: Sie sind erschrocken!
Die Botschaft und das Wirken Jesu, damals in der Synagoge in Kafarnaum und heute durch seine Kirche, führen zu Konflikten mit den Mächten, die diese Welt beherrschen. Wir sind als Christen immer neu in die Entscheidung gerufen, ob uns dieser Jesus lieber in Ruhe lassen soll mit all dem, was uns bestimmt und besetzt, oder ob wir unser Tauf- und Firmversprechen ernst nehmen, indem wir den Glauben bekennen und dem Bösen absagen – und das immer neu, ein Leben lang, auch, wenn es schmerzhaft ist und weh tut.
Was die Welt braucht, was viele Menschen brauchen, sind geheilte und heilende Christen, die Versöhnung verbreiten, befreite und befreiende Christen, die Ängste nehmen und Mut machen.







