Kommentar
Der Spaß-Wahlk(r)ampf

Am kommenden Sonntag beginnt die Wahlstafette. Vier Wochen nach der Kommunalwahl wird ein neuer Bundestag gewählt und damit das Amt des Bundeskanzlers neu besetzt. Beim Wahlkampf geht es dabei etwas anders zu als bei den vergangenen Wahlen.
Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM
Stell dir vor: Es ist Wahlkampf und keinen interessiert es so richtig – außer als Spaßevent. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl hat von Deutschland einmal als einem „kollektiven Freizeitpark“ gesprochen. Für viele Menschen muss alles Spaß machen, und Witzigkeit hat oberste Priorität. Wie Recht Kohl mit dieser Einschätzung hatte, zeigt sich an einer neuen Facette der laufenden Wahlkämpfe. Da treten Parteien mit nur einem Programmpunkt an oder wollen einfach nur die Staatsknete aus der Wahlkampfkostenerstattung kassieren. Aus dem Wahlkampf scheint eine Art Volksbelustigung zu werden, gegen die Parteien mit einem ernsthaften politischen Anliegen schwer zu kämpfen haben.
Für viele potenzielle Wähler scheint Realpolitik in einem Paralleluniversum stattzufinden, das mit den Wahlen und deren Ausgang nichts zu tun hat. Es handelt sich dabei jedoch um einen entscheidenden Irrtum. Das können spätestens die Menschen bestätigen, denen die freie Wahl ihrer Regierung verwehrt ist.
Auch wenn es manchmal anders erscheinen mag, haben diese Wahlen mit der Ausgestaltung der realen Politik in diesem Land zu tun.
Seine Stimme einer Spaßpartei zu geben oder gar nicht zur Wahl zu gehen, mag witzig sein und dem einen oder anderen Spaß machen, ist aber kein Spaß, sondern Ernst, der einmal bitter aufstoßen kann. Das ist eben überhaupt nicht lustig.






