„Krankheit und Sterben“ stießen bei der Gemeindemission in Belecke auf reges Interesse
Der Tod ist ein Stück Leben
Belecke. Die Witwe, die aus Angst vor der endgültigen Trennung tagelang neben ihrem toten Gatten liegt. Die Eltern, die hilflos zusehen müssen, wie ihr geliebtes Kind an Krebs stirbt. Oder der Rentner, der monatelang von Maschinen am Leben gehalten wird. „Der Tod hat viele Gesichter, doch wir sind unfähig damit umzugehen“, wählte Pater Rudolf in der Belecker Pankratius-Kirche deutliche Worte. Sie waren Teil eines Tagesthemas der Gemeindemission.
von Birger Berbüsse
Auch in der zweiten Woche fand die Mission noch großen Anklang bei der Belecker Gemeinde. Pfarrer Markus Gudermann zeigte sich begeistert: „Die Kirche ist sowohl morgens als auch abends sehr gut besucht.“ Und auch die beiden Redemptoristenpatres, Pater Rudolf Matuszek und Pater Franz Mehwald, bestätigten die gute Resonanz. „Wir sind zufrieden“, waren sie sich einig.
Vierzehn Tage lang predigten sie im September jeweils zu einem bestimmten Thema, boten zusätzlich Hausbesuche und Gesprächsrunden an. Eines der Themen war „Christsein in Krankheit und Sterben“. Die Menschen in der bis auf die vorderen Reihen voll besetzten Kirche lauschten gebannt, was der 70-jährige Pater Rudolf aus Heiligenstadt/Eichsfeld dazu zu sagen hatte. Seine lange und einfühlsame Predigt ergänzte er dabei immer wieder mit Beispielen und ganz persönlichen Erfahrungen.
„Leider gelten Krankheit, Sterben und Tod heutzutage als Tabuthema“, bedauerte der Priester. Viele Menschen seien jedoch völlig verunsichert und wüssten nicht wohin mit ihren Fragen und Nöten. „Das zeigt doch, dass wir uns darum ganz besonders kümmern müssen“, rief Pater Rudolf der versammelten Gemeine zu. Trauer und Tod müssten wieder ins Bewusstsein rücken, um ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. „Neun von zehn Deutschen möchten zu Hause sterben“, verwies der Geistliche auf eine Umfrage. Doch allzu oft werde der Tod in Krankenhäuser und Altenheime „ausgelagert“. In diesem Zusammenhang lobte er ganz besonders die Hospizbewegungen: „Wir müssen dankbar sein, dass es so etwas gibt, wo sich vorbildlich um Kranke und Sterbene gekümmert wird.“
Auch erinnerte er daran, dass sich die Kirche sehr um Sterbebegleitung bemühe. „Wenn in ihrer Familie jemand krank ist und stirbt, sagen sie uns als Gemeinde Bescheid“, bat er die Belecker, die ihm mit ernsten Gesichtern zuhörten. Er habe noch keinen Priester kennengelernt, der diesem Ruf nicht nachgekommen sei. Der Trost und die Nähe der Kirche könnten in den letzten Momenten vor dem Tode viel bewirken, fügte Pater Rudolf noch hinzu, denn „auch für den Christen ist der Tod ein großer Einschnitt.“ Doch wer sich im Leben auf Jesus Christus stütze, für den werde der Tod niemals das letzte Wort haben.
Nach der einstündigen Messfeier luden die Patres noch zu einer Gesprächsrunde im nahen Pfarrheim ein. 25 überwiegend ältere Belecker folgten diesem Angebot zu einer vertiefenden Diskussion. Im Vordergrund stand dabei die Sterbebegleitung. Eine ältere Frau berichtete, dass ihrer Meinung nach in dieser Hinsicht in Belecke „die Welt noch in Ordnung ist“. Viele Kranke würden zu Hause gepflegt und begleitet. Dennoch entwickelte sich ein Gespräch darüber, wie mit Sterbenden umzugehen sei. Für Pater Franz stand dabei eines im Vordergrund: „Nehmt die Sterbenden so an, wie sie sind. Schenkt ihnen einfach Zeit, streichelt sie. Dafür werden sie unendlich dankbar sein.“ Auch ein kleines Gebet werde von Gläubigen gerne angenommen.







