Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der Hausnotruf der Caritas in Lünen gibt älteren Menschen ein sicheres Gefühl

Der heiße Draht im Notfall

Über 18 Jahre arbeitet Angelika Büscher schon in der Hausnotruf-Zentrale. Foto: Plamper

Lünen. Wie ein ausgefallenes Schmuckstück sieht sie aus, die lange schnurähnliche Kette. Der ovale, silberfarbene Anhänger hat einen roten Knopf in der Mitte. Hannelore Damsch trägt ihn ständig um ihren Hals. „Ich bin froh, dass man so etwas für uns erfunden hat“, sagt sie und umfasst fast ganz unbewusst den Anhänger mit ihrer Hand.

von Elisabeth Plamper

Es ist der Sender, der zu ihrer Hausnotruf-Teilnehmerstation gehört, die Verbindung zur „schnellen Hilfe“ im Notfall. Ein Knopfdruck genügt, und sie ist direkt mit der Hausnotruf-Zentrale des Caritasverbandes Lünen telefonisch verbunden. „Es ist eine wunderbare Sache. Ich fühle mich so sicher.“ Drei Schlaganfälle hat die 83-Jährige hinter sich, doch auf das Leben in der eigenen Wohnung möchte sie trotzdem noch nicht verzichten. „Ich kann doch noch soviel selbst.“
Die Hausnotruf-Zentrale des Caritasverbandes Lünen gibt es inzwischen seit über 25 Jahren. „Sie ist ein Angebot an alle, die aufgrund von Alter, Behinderung, akuter oder chronischer Erkrankung oder in der Genesungsphase einen zuverlässigen Ansprechpartner benötigen“, erklärt Leiter Rolf Leimann. „Es ist eine Kombination aus Nachbarschaftshilfe und modernster Technik.“
Sie hat ihr Domizil im Altenzentrum St. Norbert. Angelika Büscher und ihre Kolleginnen und Kollegen sind rund um die Uhr für die insgesamt 738 Teilnehmer da. Beim Eingang des Notrufes wird eine Wechselsprechverbindung aktiviert, über die sie und der Teilnehmer miteinander sprechen können. „Viel Fingerspitzengefühl und ein gutes Gespür für besondere Situationen muss man haben“, weiß Marianne Terhalle. Über lange Jahre war sie im Hausnotruf tätig, sprach Teilnehmern Mut zu, informierte, wenn nötig die Angehörigen, bestellte in medizinischen Notfällen den Arzt oder den Rettungsdienst. Die Entscheidungen fallen aufgrund der vom Teilnehmer erhaltenen Informationen und der eigenen Einschätzung der Situation und Intuition.
„Unsere Mitarbeiter müssen gut zuhören können“, erklärt Leimann. „Sie können nicht in die Wohnung reinschauen und müssen sich doch ein Bild von der Situation machen.“ Trotz einer gewissen Routine sei die Arbeit immer wieder eine Herausforderung. „Auch nach über 25 Jahren lernen wir immer noch dazu.“ Es komme auch vor, dass Mitarbeiter einen Teilnehmer in den letzten Minuten seines Lebens begleiteten. Extremsituationen, die vom Team gemeinsam getragen werden. „Wir sind auch für einander da“, betont Marianne Terhalle. Über 18 Jahre arbeitet Angelika Büscher schon in der Notrufzentrale. „Manchmal ist es ganz ruhig“, erzählt sie. „an anderen Tagen wiederum scheinen sich alle für einen Probealarm entschieden zu haben.“
Ein Gespräch auch ohne Notfallsituation sei durchaus gewünscht. „Es gibt einige, die uns regelmäßig anrufen, und nur kurz mitteilen, dass alles in Ordnung ist“, erzählt sie. Bleibt dieser Anruf dann mal aus, wird nachgehakt. „Wir benachrichtigen dann die Bezugsperson, um nach den Rechten zu sehen“, erläutert Rolf Leimann. Auch für Situationen, in denen der Teilnehmer nicht mehr in der Lage ist, den Alarm selbstständig auszulösen, ist ebenfalls vorgesorgt.
Eine integrierte Sicherheitsuhr an der Teilnehmerstation löst Alarm aus, wenn sie nicht innerhalb eines vorher individuell festgelegten Zeitraums zurückgesetzt wird.


22.05.2012
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