Aktuelle Ausgabe
2012-20

KAB beteiligt sich an Aktionen gegen Altersarmut

Deutschland in Schieflage

Das schlechte Wetter half eindrucksvoll, die zukünftige Qualität der gesetzlichen Rente von Morgen erfahrbar werden zu lassen.

Dortmund. Deutschland in Schieflage ist das Motto der Aktionen, die die Gewerkschaften in Kooperation mit ihren Bündnispartnern wie der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in diesem Herbst in Dortmund durchführen. Jetzt ließ der KAB-Bezirksverband Dortmund-Lünen-Schwerte diese  Schieflage sinnlich erfahrbar werden. Bei der Straßenaktion des „Netzwerkes für eine Rente, die zum Leben reicht“ konnten Passanten es sich unter „dem Schutzschirm, der gesetzlichen Rente, die zum Leben reicht“  bequem machen. 

Dr. Klaus Kock von der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Sozialforschungsstelle der TU in Dortmund stellte Motive und Hintergründe von Erwerbsarbeit jenseits der Altersgrenze vor. Neben dem Spaß an der Arbeit – auch nach dem Erreichen des Rentenalters – verwies der Referent darauf, dass ein weiteres wichtiges Motiv für die Ausübung der 400-Euro-Jobs die finanzielle Absicherung des Lebensalters ist. Die Renteneinkünfte seien in diesen Fällen das Standbein und die zusätzlichen Einkünfte bedeuteten eine Aufstockung, die Altersarmut abwende. 

Doch was passiert, wenn die gesundheitliche Situation den Zuverdienst nicht mehr ermöglicht? Können wir im Alter überhaupt erwerbstätig sein? Diesen Fragen widmete sich Verena Leve, vom Institut für Gerontologie der TU in Dortmund, aus gesundheitlicher Sicht.

Sie ermutigte die Verbände und Gewerkschaften, sich für „gute Arbeitsbedingungen“ einzusetzen, die eine Erwerbstätigkeit im Alter erst ermöglichen. Sie verwies darauf, dass Arbeitgeber wie Arbeitnehmer Verantwortung für den Erhalt der Erwerbsfähigkeit aus gesundheitlicher Sicht hätten. Zurzeit würde der Tatsache nicht Rechnung getragen, dass die gesundheitlichen Einbußen zum größten Teil eine Folge von Arbeitsbedingungen seien. 

Im anschließenden Vortrag des „Netzwerkes für eine Rente, die zum Leben reicht“, stellte Renate Lanwert-Kuhn, KAB-Bezirksverband Dortmund-Lünen-Schwerte, die Argumente gegen die Heraufsetzung des Rentenalters heraus.

Die Kooperationspartner/-innen des Netzwerkes – bestehend aus DGB, Seniorenbeirat der Stadt Dortmund, Sozialverband Deutschlands, VdK, Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt, KAB, Mieterverein Dortmund und Umgebung sowie des Arbeitslosenzentrums – werten die Heraufsetzung des Renteneintrittsalter auf 67 sowohl als eine deutliche Rentenkürzung als auch ein Zeugnis für eine ignorante Haltung der politischen Entscheidungsträger gegenüber der Realität. 

Zurzeit scheiden immer mehr Erwerbstätige mit Abschlägen aus dem Berufsleben aus und die erzielte Rente reicht längst nicht mehr für alle zum Leben. Dies wird sich in Zukunft auch nicht ändern, wenn die immer mehr häufiger auftretenden Brüche im Erwerbsleben durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit steigen und dadurch das Rentenniveau deutlich herabgesenkt wird. 

Gleichzeitig forderten die Netzwerkpartner eine Anerkennung von Beitragszeiten bei ALG-II-Bezug, in Eltern- und Pflegezeit sowie die Einführung eines Mindestlohns über 8,50 Euro.


22.05.2012
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