Weihnachtlicher Friedensappell des Papstes für das Heilige Land
Dialog statt Gewalt
Vatikanstadt. Mit einem eindringlichen Appell für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität hat sich Papst Benedikt XVI. zum Weihnachtsfest an die christliche Welt und an alle Menschen guten Willens gewandt. Nein zu Gewalt und Hass, zu Ausbeutung und Terrorismus, Nein aber auch zu Menschenrechtsverletzung, Egoismus und ethnischen Konflikten, sagte er vor rund 50000 Besuchern auf dem Petersplatz sowie geschätzten 500 Millionen Fernsehzuschauern weltweit.
von J. Schidelko (KNA)
An die Stelle einer niederträchtigen Logik von Konfrontation und Gewalt müssten Dialogbereitschaft und Verhandlungswillen treten, mahnte das Kirchenoberhaupt zum Hochfest der Geburt Christi.
Während der Weihnachts-Tourismus in Rom einen Rückgang erlebte, waren die Papst-Zeremonien im Vatikan besucht wie eh und je. Schon seit Wochen war die Mitternachtsmette restlos ausgebucht. Mehr als die derzeitige Wirtschaftskrise stand die unruhige Weltlage mit den politischen Krisenherden im Vordergrund der päpstlichen Weihnachtsbotschaft.
Besonders galt der Blick von Benedikt XVI. dem Heiligen Land, das er im Mai besuchen möchte. Der Horizont für Israelis und Palästinenser scheine sich erneut zu verfinstern; aber auch der Libanon, der Irak und der ganze Mittlere Osten hätten Gottes Schutz und politische Weitsicht nötig, hob der Papst hervor. Während Lateinamerika und Fernost diesmal nicht eigens erwähnt wurden, widmete sich Benedikt XVI. detailliert den Krisenherden Afrikas. Simbabwe werde schon zu lange von einer politischen und sozialen Krise zermalmt. Nicht enden wolle auch das Leid der Menschen in der Kongo-Region Kivu, im sudanesischen Dafur und in Somalia, klagte das Kirchenoberhaupt.
Die Papst-Zeremonien folgten der liturgischen Tradition. Allerdings war auch die Hand des neuen Zeremonienmeisters Monsignore Guido Marini zu spüren. Der historische Gesang der Kalenden, aber auch der folkloristische Blumengruß von Kindern vor der Krippe wurden aus der eigentlichen Messfeier ins Randprogramm verschoben.
Dort kam es auch erneut zu einem Zwischenfall: Als Benedikt XVI. nach dem Gottesdienst in Prozession die Basilika verlies, sprang eine offenbar begeisterte Papst-Anhängerin über die Absperrung, wurde aber sofort von zwei Gendarmen abgefangen. Die sind solchen frommen Eifer inzwischen gewohnt. Zu keinem Moment habe ein Risiko bestanden, hieß es lapidar. Ohnehin schienen die Sicherheitsmaßnahmen diesmal recht locker. Anders als vor früheren Hochfesten waren im Vorfeld keine Drohungen gegen den Vatikan laut geworden.
Aufhorchen ließ, dass der Papst unter den 64 Weihnachtswünschen erstmals einen auf Isländisch sprach. Dahinter steckten freilich keine neuen Reisepläne des 81-Jährigen, entwarnten Monsignori. Einen konkreten Hintergrund hatte dagegen die Fürbitte der Mitternachtsmette auf Ewondo, einer Sprache Kameruns. Dort will Benedikt XVI. Mitte März das Arbeitsdokument der zweiten Afrikasynode veröffentlichen.







