Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken wird mit einem eigenen Stiftungszentrum aktiv
Diaspora-Hilfe nachhaltig fördern
Erzbistum. Wenn es darum geht, Menschen in Not beizustehen, sind die Deutschen nicht „knauserig“. Die finanzielle Hilfsbereitschaft ist weiterhin hoch. „Aber die Menschen helfen anders“, erklärt Monsignore Georg Austen, „die klassischen Kollekten gehen zurück, Spenden und Schenkungen nehmen zu.“ Das hat nach Einschätzung des Generalsekretärs des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken mit einer veränderten Motivation der Geber zu tun: „Heute steht Nachhaltigkeit für viele Förderer im Mittelpunkt ihrer Bemühungen! Sie wollten mit ihrem Geld langfristig helfen – und das oftmals auch über den Tod hinaus.“ Um diesem Trend Rechnung zu tragen, hat das Hilfswerk für Katholiken in der Diaspora jetzt das Bonifatius-Stiftungszentrum gegründet.
von Andreas Wiedenhaus
„Dadurch werden neue Möglichkeiten eröffnet, sich nachhaltig für die Diaspora einzusetzen und genau festzulegen, welchem Zweck das eingesetzte Geld zugute kommt“, charakterisiert Austen die Zielsetzung der neuen Einrichtung unter dem Dach des Bonifatiuswerkes.
Das Modell des Stiftungszentrums soll nach der Idee der Initiatoren dem Stifter selbst größtmögliche Freiheit bieten und ihm gleichzeitig in allen Fragen beratend zur Seite stehen sowie die Verwaltung übernehmen. „Der Stifter bestimmt den Zweck der Stiftung, er kann einen Vorstand seiner Wahl einsetzen und beispielsweise auch festlegen, in welcher Region die Stiftung aktiv wird“, erläutert Ulrich Franke, der Leiter des Bonifatius-Stiftungszentrums. Dazu verfüge jede Stiftung innerhalb des Zentrums über eine separate Buchhaltung, die es möglich mache, den Geldfluss vom Eingang bis zur konkreten Verwendung exakt nachzuvollziehen. Franke: „Gerade in der Verwaltung hilft das Zentrum, Kosten zu senken und so die Höhe der Erlöse zu steigern.“ Bezüglich der Rechtsform sieht das Zentrum verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für die Stiftung vor: Die einfachste Form ist ein Stiftungsfonds, der in einer Höhe ab 5000 Euro kurzfristig umsetzbar ist. Eine Treuhandstiftung kann ab 25000 Euro errichtet werden, die rechtsfähige Stiftung ab 100000 Euro. Hinzu kommt die Möglichkeit einer Zustiftung in die Bischof-Konrad-Martin-Stiftung. Sie wurde im Jahr 2004 vom Bonifatiuswerk gegründet und hat die Förderung von Kindern und Jugendlichen in der Diaspora zum Ziel. Bei der Anlage der Stiftungsgelder arbeitet das Bonifatiuswerk eng mit der Bank für Kirche und Caritas zusammen
Laut Franke hat sich der allgemeine Trend zum Stiften in Paderborn schon stark bemerkbar gemacht habe: „Mit einer Stiftungsdichte von 22 Stiftungen pro 100000 Einwohner liegen wir bundesweit an 45. Stelle – noch vor Berlin.“
„Wir sind als Hilfswerk natürlich auf Spender angewiesen“, macht Georg Austen klar. Im Rahmen des Stiftungszentrums stehe das Geld aber nicht im Mittelpunkt: „Aus vielen Begegnungen weiß ich, wie eng gerade die Hilfe für die Diaspora mit den Lebensgeschichten und persönlichen Erlebnissen der Förderer verknüpft ist.“ Den damit verbundenen individuellen Wünschen, ein ganz bestimmtes Projekt oder eine Region zu unterstützen, soll mit der Einrichtung des Stiftungszen-trums Rechnung getragen werden.
Wie diese persönlichen Zielsetzungen „passgenau“ in einer Stiftung umgesetzt werden können, erläutert Stifterbetreuer Volker Jung: „Alles wird in persönlichen Gesprächen mit den Stiftern geklärt.“ Gerade für ältere Menschen, so Jung, sei es wichtig, „über den Tod hinaus“ etwas Bleibendes zu schaffen und das eigene Vermächtnis in guten Händen zu wissen.







