Aktuelle Ausgabe
2012-20

Militärpfarrer geht für vier Monate nach Afghanistan

Die Anspannung ist schon da

Nicht nur Gottesdienste und Gebet: Militärpfarrer Stephan Schmuck (2. v. l.) ist für seine Soldaten jederzeit ansprechbar. Foto: Berbüsse

Augustdorf. Klar, da steht ein Soldat: Stephan Schmuck hat eine kräftige Statur, trägt Stiefel und einen Kampfanzug. Doch seine Schulterklappen weisen ihn nicht als Offizier oder Feldwebel aus. Stattdessen prangt dort ein silbernes Kreuz. Denn der 37-Jährige ist Militärpfarrer im Standort Augustdorf. Im Juli bricht er nun für vier Monate nach Afghanistan auf.

„Natürlich spüre ich schon eine gewisse Anspannung“, gibt Stephan Schmuck zu. Obgleich der bevorstehende Einsatz im Krisengebiet für ihn nicht völliges Neuland darstellen wird. Zwei Mal war der Vinzentinerpater aus Lippstadt bereits für die Bundeswehr im Auslandseinsatz. „Allerdings beide Male im Kosovo“, schränkt er ein. Das sei nicht ganz mit Afghanistan zu vergleichen.
Die Vorbereitungen für den Einsatz liefen schon eine ganze Weile, erzählt er. Dazu gehört, dass der Militärseelsorger, der selber nie beim Bund war, die gleichen Übungen wie seine Soldaten absolviert. „Dabei wird das Verhalten bei Explosionen, Geiselnahmen oder der Kontakt mit Zivilisten eingeübt“, schildert Pater Schmuck seine Erfahrungen. Ebenso wisse er, wie ein Gewehr oder eine Pistole funktioniere. „Doch ein Militärpfarrer ist unbewaffnet“, ergänzt er. Dafür habe er jedoch immer Soldaten zum Schutz an seiner Seite. Das Gefährdungspotenzial in Afghanistan sei nun einmal hoch, das sei ja beinahe täglich in den Nachrichten zu sehen.
Am 15. Juli geht es dann mit Soldaten des Panzerartillerie, Panzergrenadier- und des Aufklärerbataillons nach Kundus. „Dort werde ich für die katholischen, aber auch für die evangelischen Christen zuständig sein und für alle anderen, die zu mir kommen natürlich auch“, blickt der Militärpfarrer schon einmal voraus. Doch mit den Soldaten Messen oder Wortgottesdienste zu feiern, sei nur ein Teil seiner Aufgaben. Der Seelsorger sei zumeist der erste Ansprechpartner für die zumeist jungen Männer und Frauen. „Beziehungen und Heimweh sind dabei ein ganz großes Thema“, weiß Pater Schmuck. Über Monate von Partner und Familie getrennt zu sein, könne sich äußerst belastend auf die Soldaten auswirken. Auch zwischenmenschliche Probleme mit den Kameraden könnten auftreten. „Irgendwann kommt immer mal der Lagerkoller“, so Schmuck.
Dann versucht der Militärpfarrer, im Gespräch die Sorgen zu nehmen, aufzumuntern, zu trösten. In besonders harten Fällen empfehle er auch schon mal dem Vorgesetzten, einen Soldaten vielleicht für ein, zwei Wochen nach Hause zu schicken. Es gebe nun mal Probleme, die nur da zu lösen seien, wo sie entstanden sind.
Zwar sieht Pater Schmuck, der seit sechs Jahren für die Bundeswehr arbeitet, seine Aufgabe in erster Linie in der Seelsorge für Soldaten. Aber auch der afghanischen Bevölkerung möchte er versuchen zu helfen. Für ein Schulprojekt sammelt er zurzeit Spenden, um Zelte und Bücher zu finanzieren. Durch Bildung sollen den Jugendlichen im kriegsgebeutelten Land wieder Perspektiven gegeben werden. „Das ist natürlich kein Mammutprojekt“, sagt Schmuck, „aber kleine Dinge können helfen, die Not zu lindern.“
Darüber hinaus wird der Militärpfarrer auch den Lagerkommandeur bei dessen Treffen mit religiösen Führern begleiten. Denn in den arabischen Ländern herrsche ja oft das Bild von Europäern als gottlos vor. „Doch wenn die dann sehen, da gibt es auch Glauben, dann regt das schon zum Nachdenken an“, hofft Pater Schmuck auf gelingende Völkerverständigung.
Birger Berbüsse


22.05.2012
Impressum | Kontakt
4002