Christlich-alternatives Festival „Freakstock“ kommt nach Borgentreich
Die Kopten und die „Jesus Freaks“
Borgentreich. Kirche ist dort, wo Christen sind. Einerlei ob auf der Pferderennbahn bei Gotha oder auf einem ehemaligen Kasernengelände nahe Borgentreich. So sehen es auf jeden Fall die „Jesus Freaks“, die „Jesus-Verrückten“. Seit 1995 veranstaltet die junge, christliche Glaubensgemeinschaft das Freakstock-Festival: zuerst in Wiesbaden, danach auf der Gothaer Galopprennbahn am Boxberg. Vom 29. Juli bis 2. August kommt Europas größtes christlich-alternatives Festival in das Erzbistum Paderborn. Genauer gesagt, auf das Gelände der ehemaligen Bördekaserne Borgentreich, das sich seit rund zehn Jahren im Besitz der koptischen Kirche befindet.
von Sandra Wamers
„Wir sind eine sehr junge christliche Gemeinschaft“, sagt Freakstock-Pressesprecher Martin C. Hünerhoff. Gegründet wurde die Jesus-Freaks-Bewegung Anfang der 1990er-Jahre in Hamburg. Sie versteht sich als Bewegung in Anlehnung an die charismatischen „Jesus-People“ der 60er- und 70er-Jahre in den USA. Mittlerweile gibt es in Europa rund 150 „Jesus-Freaks“-Gruppen.
Die Ursprünge der Koptischen Kirche reichen hingegen in das erste Jahrhundert nach Christi Geburt zurück. Dieser Tatsache ist sich auch der Hausherr des Kasernengrunds bewusst, Bischof Anba Damian, Bischof der Koptischen Kirche in Deutschland. „Dieses Festival ist wirklich einmalig: Die älteste Kirche trifft auf die jüngste christliche Bewegung der Erde“, freut sich Bischof Damian. Erwartet werden bis zu 4 000 Festivalbesucher, die vom 29. Juli bis 4. August das ehemalige Kasernengelände bevölkern werden.
„Wir haben bewusst einen Ortswechsel gemacht, denn auch die Jesus Freaks sind älter geworden“, lacht Pressesprecher Hünerhoff. Aus jugendlichen Christen sind Familienmenschen geworden. Vom Rennbahn-Camping geht es deshalb in die Kaserne. „Der Wunsch nach befestigten Gebäuden und Familienräumen kam bei vielen Besuchern auf“, weiß Hünerhoff. Raum gibt es in der alten Bördekaserne zu genüge, wie auch Freiflächen für die Festivalbühnen.
Auf der Hauptbühne werden unter anderem „The Violet Burning“ aus Amerika, „This Beautifull Mess“ aus den Niederlanden sowie die Bands „Maskil“, „Freispruch“, „Irrsterne“ und „Tools And Tomatoes“ aus Deutschland auftreten. Laut und rockig wird es auch an Spielstätten, wie der Turbinenhalle, im Raketenclub oder der Dorfdisco. Die Bandauftritte stehen natürlich im Mittelpunkt des Freakstock-Festivals, aber auch das Rahmenprogramm mit „FKK“ und „M&M“ können sich sehen lassen. „FKK“ steht für „freiwillige Konsum Klubs“ bei denen in Kleinseminaren über Theologie, Wissenschaft, Partnerschaft oder Seelsorge referiert wird. Bei „M&M“ ist der Körpereinsatz gefragt. „M&Ms“ sind Mitmach-Seminare in Form von Schreibwerkstätten, Kettensägenlehrgängen, Tanzen, Waldlauf oder Schnitzeljagden. Die Jesus Freaks sind jung, kreativ und gläubig – das gefällt auch Bischof Anba Damian.
„Vor sechs Wochen haben 220 Jesus Freaks bereits eine Tagung bei uns abgehalten“, erinnert sich der Kirchenmann aus Kairo. Ein erstes Kennenlernen, ein zartes Beschnuppern: „Sie sind nicht gewalttätig, nicht kompliziert, sonder sehr sensibel. Ihre Freundlichkeit hat mich sehr berührt“, schwärmt der bischöfliche Hausherr. Auf die 4 000 Besucher und damit auf die Wiederbelebung seines Geländes freut sich Bischof Damian schon heute: „Dann wird Ökumene wirklich gelebt.“








