Gedanken zum Evangelium
Die Kraft zum „Ja“
von Christina Gäbel
Jesus wird in dem heutigen Sonntagsevangelium von den Pharisäern mit einer Prüfungsfrage konfrontiert. Die Frage wurde in der jüdischen Gesetzlegung eigentlich nicht diskutiert. Es war möglich, dass der Mann seine Frau verließ, wohl bemerkt galt diese Möglichkeit für die Frau nicht. Diskutiert wurden lediglich die Gründe, weswegen ein Mann seine Frau verlassen durfte und die reichten von Nichtigkeiten bis zum Ehebruch. Jesus verweist mit seiner Antwort zunächst auch auf das Gesetz des Mose, welches den Scheidebrief vorsieht. Diese von Mose gegebene Erlaubnis sei aber ein Entgegenkommen gegenüber der Herzenshärte der Menschen, denn was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen. Nur weil es ein Recht auf Scheidung gibt, ist diese nicht die Absicht Gottes.
Jesus erinnert dort an den Schöpfungsbericht, die Erschaffung des Mannes und der Frau im Garten Eden, die dann ein Fleisch werden sollen. Der Mensch ist als Gemeinschaftswesen geschaffen, zur Liebe berufen, welche die angeborene, grundlegende Berufung jedes Menschen ist. Die gegenseitige Liebe zwischen Mann und Frau wird zum Abbild der absoluten Liebe, mit der Gott die Menschen liebt und ihnen seinen Bund anbietet.
Jesus erinnert an die ursprüngliche Bestimmung des Menschen: das Heil werden in Beziehung. Nun befinden wir Menschen uns alle an der gleichen Stelle: wir stehen vor den Toren Edens. Vermutlich gibt es niemanden unter uns, der nicht traurige Geschichten über die Scheidung von Freunden, Bekannten oder den eigenen Kindern zu erzählen weiß. Diese Trennung ist ein Bruch, eine Verletzung im Leben eines Menschen über die es niemandem zusteht, zu urteilen.
Ohne diese Wirklichkeit ausblenden zu wollen, gibt es aber eine noch größere Zahl von Ehen, die den Belastungen des Alltags standhalten. „Ich würde heute noch einmal Ja sagen wie damals vor 50 Jahren.“, sagte ein alter Herr vor seiner goldenen Hochzeit. Auf die Bitte hin zu erzählen, was ihnen in ihrer Ehe geholfen hat, erzählt die Ehefrau: „Wir haben viel miteinander geredet. Meinem Mann ist das zunächst schwer gefallen, aber er hat sich Mühe gegeben.“ Miteinander reden, gerade dann, wenn man sich lieber aus dem Weg gehen möchte, wenn einem vor Wut die Worte im Halse stecken bleiben, das ist schwer.
Aber bei allen Klärungsversuchen, geht es doch letztlich nur um ein einziges Wort, von dem es abhängt, ob das Miteinander gelingt und ob eine gute Beziehung bestehen bleibt. Ich meine das Wort Ja. Ich sage Ja zu dir. Ich nehme dich immer wieder an. Ich muss respektieren, dass du anders bist als ich, und es fällt mir auch oft schwer, deine Eigenheiten zu ertragen. Aber es bleibt dabei, ich sage Ja zu dir. Oder wie es im Vermählungsspruch der katholischen Trauliturgie heißt: Ich nehme dich an und will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe.
Diese Kraft, zum anderen Ja zu sagen in allen Widrigkeiten des Lebens, ist auch Geschenk, um die es sich zu bitten lohnt, vielleicht in den Worten von Huub Osterhuis: „Behüte die Liebe der Liebenden. Der du weißt, wie zerbrechlich, fast nichts zwei Menschen sind, und dass ihr Herz unruhig ist und unbeständig wie das Wetter. Der du sie zugewandt hast zueinander damit sie nicht mehr halb seien, unbestimmt und unerfüllt, dass sie das tödliche Geheimnis lernen, dass Liebe Leiden ist, dass Gebet Leben lässt. Gib ihnen Zeit, einander zu erkennen und zu trösten, schüre ihre Leidenschaft, mach sie geduldig und unendlich lieb.
Damit sie die Nacht durchstehen miteinander.“







