Kommentar
Die Medien sind schuld
An manchen Stellen der Kirche, besonders der derzeit unter Kritik stehenden rechten Ecke wird wieder das Argument angebracht, die ganze Dynamik rund um die Papstentscheidung zur Rücknahme der Exkommunikation sei von den Medien einseitig aufgebauscht.
Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM
So einfach ist das also wieder: Die Medien sind schuld. Sie haben das alles falsch verstanden. Sie haben aus maßloser Gier nach Schlagzeilen alles übermäßig aufgebauscht. Die Medien, so wird die aktuelle Krise des Vatikan in manchen Kreisen bewertet, haben ihre eigene Wirklichkeit rund um Benedikt XVI. und Williamson gebastelt. Und dabei altbekannte Papstkritik, Ressentiments gegen Katholiken und vollständige Unwissenheit über kirchliche und theologische Grundlagen vermischt.
Wer es sich so einfach macht, der vertauscht zunächst einmal Boten und Nachricht. Sicher mag es in der heutigen Zeit so sein, dass Medien ihre eigenen Schlagzeilen setzen. Und dabei manchmal durch eigenwillige Verkürzungen das Bild eines Skandals schüren. Erfinden können Sie ihn aber nicht.
Die Dynamik der Titelzeilen ist dabei keinesfalls neuzeitlich. Und wird von vielen genutzt. Denn Schlagzeilen sind nur im schlechtesten Fall Kehrseite eines Mechanismus, durch den sich die Gesellschaft ansonsten bestens informiert weiß.
Wer also auf die Medien schimpft, sollte überlegen, ob nicht die eigene Kommunikationsstrategie den Skandal verursacht hat. Und vielleicht auch die Nebenfrage stellen, ob eine Kirche, die eine Theologie pflegt, die so kompliziert ist, dass selbst Fachleute sie für interpretationsfähig halten, überhaupt noch massen- und damit medientauglich ist.






