In Bad Westernkotten steht eine Lourdes-Grotte
Die Muttergottes in der Nähe haben
Bad Westernkotten. Es ist die „Kurpromenade“ Bad Westernkottens: Die beschauliche Weringhauser Straße führt direkt auf den Kurpark und das bekannte Solebad des Ortes zu. Fußgänger-Betrieb herrscht also immer auf der gepflasterten Straße. Neuerdings aber bleiben immer mehr Passanten an einer ganz bestimmten Stelle stehen: Denn am Wegesrand steht seit einigen Wochen eine liebevoll gestaltete Lourdes-Grotte, die zum Innehalten einlädt.
von Birger Berbüsse
Zu verdanken hat der Kurort bei Erwitte die kleine Stein-Grotte mit der Madonna Lothar Baumgart aus Eringerfeld. Der 72-Jährige schuf das Werk eigenhändig auf dem Grundstück seines zukünftigen „Alterswohnsitzes“. Denn die heilige Muttergottes hat ihn fast sein ganzes Leben hindurch begleitet.
Geboren wurde Baumgart im Ermland in Ostpreußen. „Rundherum war alles evangelisch, aber das Ermland ist sehr katholisch“ sagt er über seine Heimat. Vielleicht stammt daher sein „religiöses Faible“, wie er es selbst nennt: Den Glauben habe er von seinen Eltern mitbekommen, der Ortspfarrer wohnte direkt nebenan. „So war ich sogar schon Messdiener bevor ich überhaupt in der Schule war“, schmunzelt der Rentner und fügt hinzu „Kirche und Glaube machten und machen einfach Spaß.“
1945 musste die Familie dann wie so viele fliehen. Sie kam schließlich nach Oldenburg – „meine Mutter wollte unbedingt wieder in eine katholische Gegend“, erinnert sich Lothar Baumgart. Und so trat er als junger Mann von zwanzig Jahren in den Kolping ein. Mit dem machte er dann die Diözesanwallfahrt von Münster nach Lourdes im Jubiläumsjahr 1958 mit. „Ganz beeindruckt und begeistert“ sei er davon gewesen. Es war gewissermaßen der Startschuss seiner starken Mariengläubigkeit und „Wallfahrerkarriere“. Neben einem weiteren Besuch in Lourdes fuhr Baumgart auch nach Fatima, reiste mehrmals nach Rom und natürlich auch ins „Heilige Land“ Israel. Seine „religiöse Bindung“ nennt er als Gründe für diese Wallfahrten und „einfach mal dort zu sein und zu beten, wo Maria oder Jesus gewesen sind“. Begeistert war er jedes Mal, von jedem Ort. „Alleine dieses Leben da zu erleben“, sagt er mit Freude in den Augen, „wie die Menschen dort hinfahren und erleichtert und froh wieder zurückkehren, das ist unbeschreiblich.“
Aber auch seine Heimat hat Lothar Baumgart nicht vergessen. Seit 1976 ist er insgesamt schon 39 Mal zurück ins Ermland gereist, um die Stätten seiner Kindheit zu besuchen. Auch die vielen Wallfahrtsorte der Gegend besuchte er dabei regelmäßig. Vielleicht ist das auch ein Grund für die zwei Marien-Grotten, die er mittlerweile geschaffen hat. Die erste entstand vor acht Jahren in Eringerfeld. „Die hat aber noch hauptsächlich mein Bruder gebaut“, blickt der Hobby-Maurer Baumgart lächelnd zurück. Auch dort liegt die Grotte direkt an der Straße, als „Blickfang“ für die Spaziergänger. Sogar eine jährliche Mai-Andacht habe sich mittlerweile eingebürgert, erklärt er stolz.
Nun haben er und seine Frau sich als „Alterswohnsitz“ aber ein Haus an der Bad Westernkottener „Kurpromenade“ gekauft. „Und was wir in Eringerfeld verlieren, wollen wir auch dort haben“, sagt Baumgart: „Ich möchte Maria in der Nähe haben.“ Von seiner letzen Fahrt ins Ermland brachte er eine Lourdes-Madonna mit, eine Cousine seiner Frau unterstützte sein Bauvorhaben finanziell. Im Spätsommer begann er mit der Arbeit und wurde pünktlich fertig: Am 8. Dezember – dem letzten Tag des Lourdes-Jubiläums – konnte die Grotte unter großer Beteiligung von Einwohnern und Kurgästen von Pfarrer Heinz Müller geweiht werden. „Seitdem bleiben immer Menschen davor stehen“ zeigt sich der fleißige Rentner erfreut. Eine Mai-Andacht ist auch schon geplant.







