Der Ökonom Dr. Wolfgang Kessler zeigte in Hagen Gefahren und Chancen der Globalisierung auf
Die Veränderung gestalten
Hagen. Die Globalisierung macht den Deutschen Angst. Wer aber genauer hinschaut, entdeckt auch Chancen. Diese positiven Kräfte allerdings brauchen Unterstützung. Das ist das Fazit des Vortrages von Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur der Zeitschrift „Publik Forum“. Das Dekanatsbildungswerk Hagen-Witten hatte ihn eingeladen, um in der St.-Meinolf-Gemeinde seine Sichtweise von „Nokia, Lichtenstein und die gerechte Weltwirtschaft“ darzustellen. Das Gotteshaus war gut gefüllt, etwa einhundertfünfzig Interessierte folgten dem Vortrag.
Den studierten Ökonomen treibt seit seinem Wirtschaftsstudium die Frage um „Wie ist es möglich, wirtschaftliche Zusammenhänge mit christlichen Vorstellungen zusammenzubringen?“ Im Journalismus fand er „sein Feld, Geschichten zu erzählen, die gut und stimmig sind“. Er gliederte seinen Darstellung in die Bereiche „Die großen Risiken der Globalisierung“, „Die Chancen“ und die Frage, welche Strategien notwendig sind, die die positiven Kräfte unterstützen können.
„Eigentlich ist es unverständlich, dass die Deutschen Angst vor der Globalisierung haben“, zeigte sich der Referent verwundert: „Wir leben bereits in einer globalisierten Welt: Jede Person in jeder Ecke der Welt kann jede andere Person erreichen, wenn beide die gleiche Technik benutzen.“ Und „die meisten Autos aus Deutschland sind nicht mehr nur aus Deutschland“.
Die Gefahr bestehe, so Kessler, dass „multinationale Konzerne mächtiger werden als die Politik“. Mit der weltweiten ökologischen Herausforderung des Ozonlochs und der Klimaerwärmung verwies er auf eine zweite Gefahr. „Niemand kann sich vorstellen, dass die Chinesen und Inder so leben könnten wie wir“, wundere er sich immer wieder über seine Gesprächspartner. Das würde bedeuten, dass es dann 700 Millionen Autos gäbe. Zurzeit sind es weltweit erst 400 Millionen. Das jetzige Weltwirtschaftssystem arbeitet nach Kesslers Einschätzung aber ungebrochen auf dieses Ziel hin. Vorreiter seien die Banken, denn in diesem Bereich sei die Liberalisierung und Globalisierung am weitesten fortgeschritten. Knapp 2000 Milliarden kursierten weltweit als „spekulatives Kapital“, das nur dazu diene, größtmögliche Rendite abzuwerfen.
Aber es gebe nicht nur Gefahren, in der Globalisierung lägen auch Chancen „wenn sie gestaltet wird“, betonte der Ökonom. Die katholische Kirche sei bereits ein „global Player“ mit einer Vision eines besseren Lebens für mehr Menschen. Als Aktivist der Friedensbewegung sah der Referent in der Globalisierung auch eine Chance für Frieden. Allerdings erfordere dies zwei Voraussetzungen: Einmal seien friedensbewegte Menschen notwendig und zum zweiten müsse es wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den verfeindeten Parteien geben. Im Kriegsfalle wüssten dann beide, dass es nur Verlierer geben könne.
Auch Diktaturen hätten es in einer globalisierten Welt schwerer: „Entweder sie schotten sich von den modernen Informationsmedien ab, dann behindern sie ihre eigene Entwicklung, oder sie öffnen sich den neuen Medien, dann bricht automatisch etwas Informations- und Meinungsfreiheit ein.“ Diese positiven Kräfte bräuchten allerdings Unterstützung.
Daher forderte Kessler eine Besteuerung aller Einkommensarten und anschließend eine Investition eines „aktiven“ Staates in Bildung, Forschung und Entwicklung. Der engagierte Währungsexperte zeigte sich überzeugt davon, dass „die Macht der kleinen Leute viel größer ist“. Nach seiner Erfahrung bewege sich die Politik nur dann, wenn sich die Menschen bewegten. Deshalb forderte er: „Es muss eine soziale Bewegung entstehen, auf die die Politik reagiert.“
Meinolf Steinhofer







