Pastor Tausch berichtete in Paderborn von ungewöhnlichen pastoralen Aktionen
Die rollende Kirchenbank
Paderborn. Gemütlich sitzt Stefan Tausch auf einer Bank in der Bielefelder Innenstadt. Das machen andere auch. Doch seine Bank hat Rollen und stand mal in einer Kirche. Tausch ist Pastor von Beruf, doch wenn er in der Nähe der St.-Jodokus-Kirche auf dem rollenden Möbel sitzt, halten die Passanten den Geistlichen eher für einen Schauspieler oder Künstler oder für jemanden, der Geld sammeln oder missionieren will. – Von seinen Erfahrungen berichtete Pastor Tausch kürzlich in Paderborn.
von Andreas Götte
Doch der gebürtige Sauerländer möchte weder Geld sammeln noch missionieren. Er will einfach nur für die Menschen da sein, sich für sie Zeit nehmen und ihnen zuhören. Über seine Erlebnisse dabei berichtete der 45-Jährige auf Einladung der Kolpingsfamilie Paderborn-Zentral jetzt im Kolping-Forum. Die Idee von der rollenden Kirchenbank hat Tausch 2004 aus Göttingen übernommen. „Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen, muss die Kirche halt zu den Menschen“, so seine Devise. Bereut hat der frühere Industriekaufmann und Fremdsprachenkorrespondent den Schritt bis heute nicht. Selbst Ministerpräsident Jürgen Rüttgers saß schon auf seiner Bank. „Man ist so nach dran an den verschiedenen Lebensgeschichten, das ist einfach faszinierend“, berichtet Tausch.
Meist dauert es zwischen fünf und sieben Minuten, dann sitzt er nicht mehr alleine in der Kirchenbank. Gesprochen werde zumeist über Gott und die Welt – von Jung und Alt. Einfach sind die Gespräche nicht immer, manchmal kommt auch gar keines zustande, weil „die Menschen sich hinsetzen und gar nicht reden“. Auch das geht für den Pastor vollkommen in Ordnung.
Manch einer möchte ihn am liebsten beim Paderborner Erzbischof „verpetzen“, doch das hat nur wenig Sinn. Denn von Hans-Josef Becker hat Tausch von Beginn an Rückenwind für seine Aktionen bekommen. „Wir suchten damals nach anderen Möglichkeiten und wollten die Menschen mit einem geistlichen Zentrum auf Neuland locken“, erinnert sich der Geistliche. Die Kirchenbank als Teil des City-Klosters in Bielefeld ist so etwas wie der pastorale Leuchtturm in der Diaspora. Doch die Kirchenbank mit den Rollen drunter ist nur ein Teil der Wahrheit. Das City-Kloster mitten in Bielefeld umfasst viel mehr. In einer katholisch-öffentlichen Bücherei wird Gedrucktes an Erwachsene und Kinder verliehen. Im Verkaufsladen gibt es religiöse Literatur, Rosenkränze, Taufkerzen oder auch fair gehandelten Kaffee. Und dann gibt es da noch eine Wohnung. Hier können Interessierte geistliche Begleitgespräche führen, beichten oder sich zu einem kontemplativen Gebet einfinden. Zwei Einzelzimmer laden zu Einkehrtagen und Exerzitien ein. Zusammen mit anderen karitativen Einrichtungen der katholischen Kirche hat Tausch mit seinem City-Kloster mittlerweile ein Netzwerk in Bielefeld auf den Weg gebracht.
Auch in der katholischen Hochburg Paderborn kamen die Ideen bei den zumeist älteren Zuhörern gut an. Eine Ordensschwester hätte am liebsten sofort auf der rollenden Kirchenbank von Pastor Tausch Platz genommen. So wie viele Ehrenamtliche in Bielefeld auch. Doch nicht für jeden ist die Tätigkeit geeignet. „Manch einer findet das zu anstrengend“, hat Tausch erfahren.
Ob das Modell auch in Paderborn Schule macht, ist offen. Die Franziskaner könnten beispielsweise in der Westernstraße eine Kirchenbank aufstellen, so ein Vorschlag. Auch die Domgilde wurde ins Gespräch gebracht. Im Dekanat Bielefeld haben sich Stefan Tausch und seine beiden hauptamtlichen Mitarbeiter mit Erfolg durchgebissen. „Wir haben zu Beginn nur Gegenwind gespürt. Das Ganze wurde als Spinnerei abgetan“, erinnert sich Tausch. So kann er sich auch für die Paderstadt eine rollende Kirchenbank durchaus vorstellen. Und dann macht er den Anwesenden schmunzelnd Mut: „Kirchenbänke bekommt man heutzutage nachgeschmissen.“
Info
Mehr Informationen unter: www.citykloster-bielefeld.de







