Kommissar findet gestohlenes Weihwasserbecken und Täter nach nur 60 Minuten
Diebstahl aus Kapelle schnell aufgeklärt
Dortmund. Er missachtete das siebte Gebot („Du sollst nicht stehlen“) und sollte eigentlich das Strafgesetzbuch fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Doch der Dieb aus Dortmund war dreist: In der Krankenhauskapelle des St.-Josefs-Hospitals im Stadtteil Hörde ließ er ein 30 Kilogramm schweres Weihwasserbecken mitgehen, um es für 30 Euro auf dem Schrottplatz zu verkaufen.
von Peter Bandermann
Jetzt droht dem 29-Jährigen unerwartet schnell Ärger mit der Justiz, was eng mit dem Schulbesuch einer Kommissariatsleiterin im Dortmunder Polizeipräsidium und den guten Schrotthändler-Kontakten eines ihrer Kollegen zusammenhängt. Die 1. Kriminalhauptkommissarin Hildegard Pahlke besuchte bis 1972 das katholische Mallinckrodt-Gymnasium und ist auf Kunstdiebstähle in Kirchen nicht gut zu sprechen: „Das geht gar nicht“, begründete sie ihre Ermittlungsinitiative.
So beauftragte sie ihren mit einer evangelischen Küsterin in Selm verheirateten Kollegen Peter Troitzer, den Diebstahl schnellstmöglich aufzuklären. Nach nur 60 Minuten meldete der Kriminalhauptkommissar den Erfolg. Der auf Metalldiebstahl spezialisierte Ermittler hatte seine guten Kontakte zu Dortmunder Schrotthändlern genutzt und das 30 Kilogramm schwere Weihwasserbecken zur Fahndung ausgeschrieben.
Einer der Metallverwerter hatte das Bronzebecken verkannt und als Gartenbrunnen aufgekauft und sich pflichtbewusst die Personalien des Täters notiert. Letzteres ist Usus in der Branche. Parallel zu den Ermittlungen nahmen Polizisten einer Bezirkswache im Stadtteil Hörde einen Mann fest, der in eine Garage eingebrochen war. Der Einbrecher erwies sich wenig später auch als der Weihwasserbecken-Dieb.
Inzwischen ist der Fall klar: Der 29-jährige Drogenabhängige hat ein Geständnis abgelegt und ist von der Videokamera des St.-Josefs-Hospitals in Hörde gefilmt worden. Gott sieht eben alles und nutzt dafür auch moderne Technik. Hildegard Pahlke und Peter Troitzer übergaben das Becken an Pflegedirektorin Stephanie Zirkler und an die aus Polen stammende Schwester Klara, die seit zwei Jahren im Josefs-Hospital arbeitet. Letztere fühlte sich sogar mitschuldig.
Denn sie war es, die auf die Öffnung der Krankenhauskapelle gedrängt hatte, nachdem diese vor einem Jahr wegen Vandalismus und Diebstählen geschlossen worden war. Kaum war die Kapelle wieder geöffnet, ereignete sich der Diebstahl. Auf die Festnahme reagierte Stephanie Zirkler mit Nächstenliebe: „Der Täter ist suchtkrank. Bestrafen sollten wir ihn nicht. Er soll einen Denkzettel bekommen und eine Therapie antreten.“







