Freiwillige sollen auch in der St.-Barbara-Kindertagesstätte Hultrop ab Juli Zivildienstleistende ersetzen
„Dieses Jahr wollte ich nicht missen“

- Auch bei den Stunden in der Reithalle mit Reittherapeutin Sabine Schemm ist der Einsatz der Zivis gefragt. Hier hilft Tim Sekul der kleinen Elena und Finn. Joana führt voller Stolz Arielle am Zügel. Einrichtungsleiter Franz Berntzen und Regina Schweda, Leiterin der Nicht-Behinderten-Gruppe, sind Beobachter im Hintergrund.
Kreis Soest. „Das werden mal ganz gestandene Ehemänner“, wenn Franz Berntzen, Leiter der integrativen, heilpädagogischen Tagesstätte St. Barbara, von den Erfahrungen spricht, die ca. 140 Zivildienstleistende in Hultrop gemacht haben, gerät er ins Schwärmen. Nun ist die Fähigkeit, Windeln zu wechseln und bei der Kinderpflege kräftig mit anzupacken, sicherlich nicht das Ziel, das junge Männer und Frauen bei der Zukunftsplanung als erstes im Auge haben – unwichtig ist es aber nicht. „Bei uns haben die Zivis das ganze Drumherum erlebt.“
Diese Erfahrungen können auch weiterhin im St. Barbara-Kindergarten gemacht werden – nur eben nicht mehr als Zivildienstleistender, sondern als BFDler. Das ist die Abkürzung für den Bundesfreiwilligendienst, der am 1. Juli 2011 in Kraft tritt. Er steht Erwachsenen jeden Alters offen und kann zwischen sechs und 24 Monaten dauern, die Regel sollte ein Jahr sein. Der Einsatz im integrativen Kindergarten war bei Zivis sehr beliebt. „Wir mussten nie einen suchen. Das ging alles über Mundpropaganda“, berichtet Berntzen voller Hoffnung, dass jetzt jährlich sechs BFDler sein Team unterstützen werden.
Zum Beispiel bei der Reittherapie für behinderte und nicht-behinderte Kinder, bei der sie Reittherapeutin Sabine Schemm unterstützen und gemeinsam mit den Kindern für das Wohlergehen der beiden Pferde Arielle und Amadeus sorgen. Ihr Einsatz wird auch in den Gruppen gebraucht, die sie etwa bei den Therapiestunden im eigenen Schwimmbad begleiten. Sie sind bei den Ausflügen dabei, bei den Feiern, bei den Besuchen in der Nachbarschaft. Sie putzen Nasen, helfen am Mittagstisch, sind beliebte Spielkameraden. „Da entstehen ganz enge Beziehungen“, weiß Franz Berntzen.
Und das bei angenehmen Arbeitszeiten montags bis freitags. Es gibt keine Nachtschichten, keine Wochenenddienste. Der gesetzliche Urlaub ist garantiert, auch bleibt neben der monatlichen Entlohnung der Anspruch aufs Kindergeld erhalten. Zu den Aufgaben der BFDler gehört es, die Kinder abzuholen und am Nachmittag wieder heimzubringen – dabei hilft ihnen das Fahrsicherheitstraining, das sie ebenso wie die Zivis bislang in Rüthen absolvieren werden. Auch längere Anfahrtswege nach Hultrop sind kein Problem, da ist die Einrichtung flexibel.
„Dieses Jahr wollte ich nicht missen.“ Das ist ein Satz, der am Ende jedes Zivildiensts gefallen ist. Die Erfahrungen dieses Jahres helfen nicht nur den jungen Menschen weiter, die später z. B. als Pädagogen oder Therapeuten arbeiten wollen und in Hultrop Einblick in ihr künftiges Berufsleben gewinnen. Ein solches Jahr schult Teamfähigkeit und soziale Kompetenz. Wie groß der persönliche Gewinn ist, den die BFDler mitnehmen, wird jeder selbst entscheiden müssen. Die Zivis haben es so beschrieben: „Das Leben ist kein Ponyhof, auch wenn wir Therapiepferde haben. Aber du gehst mit Sicherheit anders raus, als du reingegangen bist.
Info
Wer sich dafür interessiert, den Bundesfreiwilligendienst in Hultrop anzutreten, kann sich gern vor Ort informieren. Ansprechpartner ist Franz Berntzen, Telefon 02527/6






