Kommentar
Echte Erfolgsmeldung

Der Nahe Osten ist seit vielen Jahrzehnten eine Wetterecke. Das musste auch Papst Benedikt XVI. während seines gut einwöchigen Besuches erfahren. Die Reaktionen auf die „Pilgerfahrt für den Frieden“ reichten von Ignoranz bis Fassungslosigkeit.
Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM
Es allen Recht zu machen ist eine Kunst, die niemand kann – nicht einmal ein Papst. Oder vielleicht sollte es besser heißen: gerade nicht ein Papst. Was auch immer der Heilige Vater sagt oder nicht sagt, es ist sofort Zielscheibe vieler Interpretationen. Gerade weil das katholische Kirchenoberhaupt weltweit eine geachtete moralische Instanz darstellt, möchte jeder seine Worte oder die Nähe oder Ferne zu ihm zu seinem eigenen Nutzen auslegen. Und sei es nur, um das eigene Mütchen zu kühlen oder sich als Papstkritiker ins Gespräch zu bringen.
Zu viel trifft bei einem solchen Ereignis zusammen, als dass es je die Befriedigung der je einzelnen Interessensvertreter finden könnte. Da geht es um die Beziehung der katholischen Kirche zu den anderen Religionen und Konfessionen, die ohnehin politisch angespannte Lage im Nahen Osten, die besondere Beziehung Deutschlands zu Israel aufgrund des Holocaust und die Tatsache, dass der Papst aus Deutschland stammt.
So wurde die Reise, für die es schon im Vorfeld (Stichwort Regensburger Rede und Bischof Williams) reichlich Diskussionsstoff gab, zu einem Drahtseilakt. Vielleicht ist daher allein die Tatsache, dass sie überhaupt stattgefunden hat, eine Erfolgsmeldung. Das Papst möchte mit allen Gruppen im Gespräch bleiben. Das Wort ist die einzige Armee, die der Papst ins Feld führen kann. Damit kann er die Sehnsucht der Menschen nach Frieden wachhalten.






