Aktuelle Ausgabe
2012-20

Bad Driburg benennt Straße nach dem ehemaligen Clementiner Kaplan Eduard Müller

Ehrung für „Lübecker Märtyrer“

Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe und Weihbischof Hubert Berenbrinker enthüllten das Schild zum Eduard-Müller-Weg.

Bad Driburg/Paderborn (pdp/jon). In Bad Driburg gibt es ab sofort einen „Eduard-Müller-Weg“. Damit ehrt die Stadt Kaplan Eduard Müller, der von 1931 bis 1935 im dortigen Clementinum sein Abitur erworben hatte und unter nationalsozialistischer Herrschaft hingerichtet wurde. Zur offiziellen Umbenennung der Straße, die vom Clemensheim hinauf zur Waldkapelle führt, war Weihbischof Hubert Berenbrinker nach Bad Driburg gekommen.

Eduard Müller gehört zu den sogenannten „Lübecker Märtyrern“. Diese Gruppe von Geistlichen brachte Predigten des damaligen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, unter das Volk, in denen dieser sich gegen die Ermordung physisch und psychisch Kranker durch die Nationalsozialisten wandte. Auf Gruppenabenden wurde zudem offen über die Sinnlosigkeit des Krieges diskutiert. Die beteiligten Geistlichen wurden verhaftet und 1943 wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung“, „Wehrkraftzersetzung“, „Vergehen gegen das Rundfunkgesetz“ und das „Heimtückegesetz“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seit 2004 läuft in Rom das Seligsprechungsverfahren für die Lübecker Märtyrer.
Im vergangenen Sommer war Dr. Rainer Hohmann, Rektor des Clementinums, an Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe herangetreten und hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass mit Eduard Müller ein Priester zur Seligsprechung ansteht, der einige Jahre lang in Bad Driburg gelebt hat. Dass die Stadt Bad Driburg so schnell reagieren würde, damit hatte Hohmann aber „nicht gerechnet“, sagt er. Bereits kurz vor Weihnachten fasste der Rat der Stadt den einstimmigen Beschluss, den Weg vom ehemaligen Clemensheim hinauf zur Waldkapelle nach dem Altclementiner Eduard Müller zu benennen. Das war auch möglich, weil zunächst nur ein Haus von der Umbenennung betroffen ist. Und in dem wohnt ausgerechnet der letzte Schulleiter des 1997 geschlossenen Clemens-Hofbauer-Kollegs, Peter Möhring, der auch selbst Nachforschungen über Kaplan Eduard Müller angestellt hat. Passenderweise ist Eduard Müller in seiner Zeit als Schüler am Clementinum den nun nach ihm benannten Weg auch selbst gegangen. Da ist sich Dr. Rainer Hohmann sicher. Schließlich gab es auch in den 30er-Jahren die Waldkapelle schon, zu der der Weg führt.
Gleichzeitig mit der Straßenbenennung wurde im Rathaus von Bad Driburg auch eine Ausstellung zu den Lübecker Märtyrern eröffnet, die noch bis Ende Februar zu sehen ist. Die Ausstellung kam auf Initiative des Clementinums Paderborn und des Fördervereins St. Klemens zu Stande. Sie stammt aus der Herz-Jesu-Gemeinde in Lübeck, wo Eduard Müller 1940 seine erste und letzte Stelle antrat, ergänzt durch einige Archivalien des Clementinums. Bereits 1942 wurde Müller von der Gestapo verhaftet – gemeinsam mit zwei weiteren Kaplänen und einem evangelischen Amtsbruder. Die vier Geistlichen hatten sich nicht daran gehalten, ihre Arbeit auf religiöse Inhalte zu beschränken, sondern äußerten in Predigten und Gesprächen Kritik an den Nazis. Am 10. November 1943 wurden sie jeweils im Abstand von drei Minuten mit dem Fallbeil hingerichtet – ein einzigartiges Beispiel christlicher Glaubenskraft und zugleich ein starkes ökumenisches Signal.
Nach den vier Märtyrern sind bereits in Lübeck Straßen benannt. In Eduard Müllers Geburtsort Neumünster ist zudem das Pfarrheim nach ihm benannt.
Im Bad Driburger Clementinum konnten von 1928 an Männer, die Priester werden wollten, auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur erlangen. 1997 wurde die vom Clemens-Hofbauer-Hilfswerk für Priesterspätberufe getragene Schule wegen rückläufiger Schülerzahlen geschlossen. Seither besuchen die Schüler das Westfalenkolleg Paderborn und wohnen in der Theodor-Heuss-Straße im Clementinum Paderborn. Das Clemens-Hofbauer-Hilfswerk ist aber weiterhin Träger des Gebäudes in Bad Driburg, das jetzt an das Kolpingbildungszentrum vermietet ist. Das wird seine bisherige Adresse „Nordfeldmark 4“ zunächst behalten. Es wäre zu aufwändig, alle Dokumente neu zu drucken. Irgendwann soll es aber die Adresse „Eduard-Müller-Weg1“ bekommen.


23.05.2012
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