Bei der Vesper in Etzelsbach wird Papst Benedikt XVI. liturgische Gewänder aus Paderborn tragen
Ein Chormantel für den Heiligen Vater

- Pfarrer Streicher ist begeistert von der Paderborner Handwerkskunst. Gemeinsam mit Beate und Erika Cassau sowie Ursula Faber und Manuela Obrzut (v. l.)begutachtet er den Chormantel, den Papst Benedikt XVI. tragen soll. Foto: Wiedenhaus
Paderborn. Wenn das Fernsehen am kommenden Freitagnachmittag die Marienvesper mit Papst Benedikt XVI. aus der Wallfahrtskapelle in Etzelsbach im Eichsfeld überträgt, werden unzählige Menschen den Gottesdienst verfolgen. In Paderborn werden einige Zuschauerinnen ganz besonders gespannt vor dem Fernseher sitzen: Die Mitarbeiterinnen der Paramentenstickerei Cassau in Paderborn. Schließlich wird der Papst während des Gottesdienstes einen Chormantel tragen, der in der Paderborner Werkstatt gefertigt wurde.
von Andreas Wiedenhaus
Wie viele liturgische Gewänder ihre Firma schon gefertigt hat, kann Inhaberin Beate Cassau nicht sagen: „Dazu sind es einfach zu viele!“ Seniorchefin Erika Cassau nickt zustimmend und fügt hinzu: „Aber dieser Chormantel wird uns allen immer im Gedächtnis bleiben!“ Dabei weist sie auf das prunkvolle Stück in Rot und Goldbrokat vor ihr auf dem Tisch.
Schon der erste Blick auf die kunstvolle Arbeit macht auch dem Laien klar, dass hier etwas ganz Besonderes geschaffen wurde. Auf dem Rücken wurde das Motiv einer Ikone aus dem 14. Jahrhundert eingestickt. Es zeigt in unzähligen filigranen Stichen den auferstandenen Christus, der seine Mutter in die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel aufnimmt.
Während Schneiderin Ursula Faber noch einige Stiche setzt, kommt Pfarrer Bernd Streicher aus Steinbach herein. Er ist heute morgen aus dem Eichsfeld nach Paderborn gekommen, um den Chormantel und ein Segensvelum, das seine Gemeinde ebenfalls bestellt hat, abzuholen. Vorher steht noch eine letzte Anprobe an – allerdings mit einem „Double“. „Aber wir kennen ja Größe und Statur des Papstes“, ist Beate Cassau sicher, dass alles passt.
„Ich bin immer wieder überwältigt, wenn ich das Ergebnis sehe!“ Der Pfarrer aus Steinbach ist sichtlich begeistert. Es sei nicht das erste Gewand, das er bei Cassau bestellt habe, erklärt er: „Ich wusste ja, dass hier hervorragende Arbeit gemacht wird, aber dies übertrifft alles!“ Rund 150 Stunden, schätzt Manuela Obrzut, hat sie allein für die Stickereien des Chormantels gebraucht. Auch wenn sie in Zukunft noch viele Gewänder fertigen wird, ist sich die 26-jährige Paramentenstickerin sicher: „So etwas macht man nur einmal im Leben.“
Zustande gekommen war der Kontakt zwischen dem Eichsfeld und Paderborn schon vor der Wende. Streicher besuchte damals eine Ordensschwester, die aus Worbis in der ehemaligen DDR nach Paderborn umgezogen war. An diesen ersten Besuch an der Pader erinnert sich der Seelsorger noch gut – und an den bleibenden Eindruck, den die Paramentenstickerei hinterlassen hat: „Damals konnte ich mir auf dem Wochenmarkt nicht mal eine Banane kaufen, aber dieses Geschäft, das hat mir sofort gefallen!“
Wenn es allerdings nach einer Frau aus der Gemeinde in Steinbach gegangen wäre, müsste der Papst auf den kunstvoll gefertigten Chormantel verzichten. Bekommen hätte er stattdessen eine Mettwurst: „Als ich einigen Gottesdienstbesuchern begeistert von meiner Idee berichtete, für den Heiligen Vater einen Chormantel anfertigen zu lassen, bekam ich von einer Frau die Antwort, dass der Papst genug Chormäntel besäße und ich ihm stattdessen eine Eichsfelder Kälberblase, eine hiesige Wurstspezialität, schenken sollte“, erzählt der Pfarrer und lacht.
Überzeugen konnte dieser eher rustikale Gegenvorschlag den Geistlichen nicht. Und so wird der Papst am kommenden Freitag einen Chormantel aus Paderborn trag






