Aktuelle Ausgabe
2012-20

Historische Randebrock-Orgel in Paderborn-Dahl restauriert

„Ein Geschenk von unschätzbarem Wert“

Ein Mitarbeiter des Orgelbauers Hildebrand baut den Spieltisch der Dahler Randebrock-Orgel ein.
Die fertig restaurierte Randebrock-Orgel in Dahl hat 1250 Pfeifen.

Paderborn (jon). „Der ganze Ort ist mitgegangen“, erzählt der Paderborner Dechant Benedikt Fischer. Rund drei Jahre warteten die etwa 1700 Katholiken im Paderborner Ortsteil Dahl darauf, dass ihre Orgel fertig wird. „Gott sei Dank“ sei denn auch die Reaktion gewesen, als sich die Rückkehr der historischen Randebrock-Orgel in die Kirche St. Margaretha abzeichnete. Generalvikar Alfons Hardt segnete nun die restaurierte, mehr als 150 Jahre alte Orgel.

„Die Orgel ist sehr im Bewusstsein der Dahler“, sagt Dechant Fischer, Pfarrer des Pastoralverbundes Paderborn-Süd-Ost-Dahl, anerkennend. Immerhin musste die Pfarrgemeinde für die Restaurierung 270 000 Euro aufbringen. Dank eines Fördervereins, zahlreicher Spenden und einiger Rücklagen sei das möglich gewesen. „Pfiffige Aktionen“ hätten außerdem das Ihre zur Deckung der Kosten beigetragen – etwa der Sponsorenlauf, den die Katholische Landjugend veranstaltete, oder das „Orgelbrot“, das der örtliche Bäcker verkaufte. Den mehrtägigen Aus- und Einbau der Orgel bezahlte das Erzbischöfliche Generalvikariat.
Die restaurierte Orgel hat nun 1250 Pfeifen. Die größte ist über vier Meter hoch, die kleinste misst grade mal 14 Millimeter. Die Pfeifen verteilen sich auf insgesamt 21 Register. Gebaut wurde die Orgel von August Randebrock in den Jahren 1855 und 1856. Erst ein Jahr zuvor hatte sich Rande­brock als Orgelbauer selbstständig gemacht, nachdem er zuvor beim Orgelbauer Franz Wilhelm Sonreck in Köln gelernt hatte.  Nach Dahl versorgte er noch zahlreiche weitere Kirchen im Bistum Paderborn und darüber hinaus mit Orgeln: etwa die Jesuitenkirche und die Abdinghofkirche in Paderborn, die Kirchen von Neuenbeken, Brakel, Hüsten, Meschede-Calle und Züschen sowie den Patrokli-Dom in Soest. Die weiteste Reise einer Rande­brock-Orgel führte 1871 bis nach Australien, in die Goldgräberstadt Bendigo. Gestiftet wurde sie von dem dortigen Generalvikar der Diö­zese Sandhurst, Dr. Heinrich Backhaus, einem Paderborner Geistlichen.
Eineinhalb Jahrhunderte waren an der Dahler Orgel nicht ohne Spuren vorüber gegangen. So wurden im Ersten Weltkrieg Prospektpfeifen geraubt. 1930 wurden diese wegen Materialknappheit durch Pfeifen aus Zink ersetzt und zudem ein elektrisches Gebläse eingesetzt. Den größten Schaden nahm die Orgel nach Expertenmeinung jedoch bei einer „Renovierung“ 1974. Damals wurden viele Originalteile der Orgel entfernt und durch minderwertige Teile in „moderner“ Bauweise ersetzt, kritisiert Orgelexperte Bernhard Buschmeier. „Es bleibt zu hoffen, dass der Orgel Eingriffe solcher Art in Zukunft erspart bleiben.“ Eine historische Orgel sei „ein hohes Kulturgut“, dem am ehesten entsprochen werde, wenn bei Restaurierungsarbeiten möglichst ursprüngliche Materialien verwendet würden. Entsprechend rekonstruierte die Orgelbaufirma Hildebrand so gut es ging den ursprünglichen Zustand der Rande­brock-Orgel.
Dechant Benedikt Fischer ist jedenfalls überzeugt, dass der unverfälschte Klang der „neuen alten Orgel“ den Gottesdienstbesucher „über seinen Alltag hinausführt in den Raum des Zweckfreien, des Geistigen und der Begegnung mit Gott“. Durch die Musik der „Königin der Instrumente“ könne die Gegenwart Gottes erfahrbar werden. Seit Jahrhunderten hätten Menschen dies erlebt und auch für die Zukunft sei diese Möglichkeit „ein geistliches Geschenk von unschätzbarem Wert“, ist Dechant Fischer überzeugt.


23.05.2012
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