Die französische Kapelle in Soest wird zur Gedenkstätte
Ein Glaubenszeugnis erhalten
Soest. Klein ist sie. Und eng. Viel Platz gibt es nicht in der französischen Kapelle in Soest. Doch dadurch kann der Raum im Dachgeschoss eines der Gebäude auf dem alten Militärgelände seine Wirkung auf den Besucher noch stärker entfalten. Bilder und Inschriften in ungeahnter Farbenvielfalt und voller Liebe zum Detail zieren die Wände der Kapelle, die einst von französischen Kriegsgefangenen gestaltet wurde. Eine der Wände wurde nun aufwendig restauriert.
von Birger Berbüsse
Viele Besuchergruppen sind erst einmal enttäuscht, wenn sie die französische Kapelle in Soest besichtigen kommen. „Die fahren mit dem Bus über das Gelände und suchen natürlich ein frei stehendes Gebäude“, weiß Barbara Köster, Vorsitzende der „Geschichtswerkstatt Französische Kapelle“. Aber spätestens wenn die Besucher dann in dem Raum stünden, sei von Enttäuschung nichts mehr zu spüren. Dann herrscht stattdessen Ergriffenheit und Bewunderung für das, was die Franzosen in ihrer Gefangenschaft geschaffen haben.
Das dies überhaupt bekannt ist und einer immer größer werdenden Zahl von Besuchern aus dem In- und Ausland gezeigt werden kann, das ist der Verdienst des „Geschichtswerkstatt“-Vereins. Denn bis 1994 war in der alten Kaserne belgisches Militär stationiert, das Gelände und die Kapelle den Soestern also nicht zugänglich. Erst 1995, nachdem die Belgier Soest verlassen hatten, wurde der Raum der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwei Stadtführerinnen zeigten sich davon so begeistert, dass kurze Zeit später der Verein gegründet wurde. „Wir wollen die Kapelle erhalten und eine Gedenkstätte aufbauen“, fasst die heutige Vorsitzende Barbara Köster das Ziel der rund 80 Mitglieder zusammen.
Für sie ist der Raum etwas einzigartiges: „Er zeugt von dem tiefen Glauben, der an dieser Stelle von den Gefangenen gelebt wurde“, zeigt sich Köster beeindruckt. Das habe den Männern Kraft gegeben, die lange Zeit im Lager zu überstehen. Denn die meisten von ihnen seien die vollen fünf Jahre in Soest geblieben, weit weg von Heimat und Familie. Doch unter den ersten 1400 Franzosen, die 1940 nach Soest gebracht wurden, seien gleich 32 katholische Priester gewesen. Diese baten um einen Raum, in dem sie ihren Glauben leben konnten. „Zwar bekamen sie von den Deutschen nur den kleinen Raum unter dem Dach, aber den haben sie angenommen“, weiß Köster.
Die kleine Kapelle gestalteten die Franzosen nach akribischer Planung. Jedes Bild, jedes Wort hat seine ganz eigene und besondere Bedeutung. So ist auf einer Wand der Umriss Frankreichs zu sehen, in dem viele Heilige versammelt sind. Dadurch konnte jeder eine direkte Verbindung vom Glauben zu seiner Heimat ziehen“, erklärt Barbara Köster. „Heimat“ sei einer der zentralen Begriffe in der Kapelle. Der andere ist „Hoffnung“. Die drückt sich deutlich im Bild hinter dem Altar aus. Dort ist nicht etwa der gekreuzigte, sondern der auferstandene Christus zu sehen. „Mit dieser Botschaft konnten die Gefangenen sich viel mehr identifizieren“, erinnert sich Köster an einige Zeitzeugenberichte.
Doch einige der Wandmalereien waren in Gefahr. „Die Westwand wäre bald verloren gewesen, wenn wir nicht gehandelt hätten“, sagt die Vereinsvorsitzende über die jüngsten Restaurierungsarbeiten. Acht Wochen lang wurde die Wand gereinigt, Risse verschlossen und Wasserflecken beseitigt. Finanziert wurden die Arbeiten zu Großteilen von Partnern aus Frankreich, „die natürlich sehr großes Interesse an dieser Stätte haben“, wie Köster es nennt. Aber auch vom Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn sei finanzielle Unterstützung gekommen.
Nun hofft die „Geschichtswerkstatt“ auf weitere Spenden, um auch die anderen Wände auffrischen zu können und durch Übermalungen verborgene Bilder wieder ans Tageslicht zu bringen. Zudem soll die untere Etage des Gebäudes zu einem Museum und einer Gedenkstätte erweitert werden. Zwei Räume hat der Verein bereits gestaltet, für die anderen liegen die Konzepte bereit.







