Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Ein Gott, der in Beziehung lebt

Msgr. Ullrich Auffenberg, Direktor der Bildungsstätte St. Bonifatius in Winterberg-Elkeringhausen.

Die Dreifaltigkeit Gottes ist ein großes Geheimnis. Ullrich Auffenberg zeigt zwei Zugänge auf am Beispiel des Drei-Hasen-Fensters im Paderborner Dom und am Glaubensbekenntnis von Rose Kennedy.

von Ullrich Auffenberg 

 

Drei Hasen im Wirbel,

Bewegung, die nie anfängt, 

die nie aufhört,

Zeichen für Leben

in Unendlichkeit. 

 

Schwebend im Fenster

im Dom zu Paderborn,

schwerelos lebend,

Hinweis auf Weite,

Hoffnung und Himmel.

 

Drei Hasen, drei Ohren,

ein Hase, zwei Ohren:

das kann nur der Wirbel des Lebens. Jeder hat, was er braucht, und doch hat 

er es vom anderen.

 

So ist Gott – dreieinig –,

die eine Person lebt 

von der anderen 

und kann ohne 

sie nicht sein.

So ist der Mensch,

wer gibt, kann 

auch nehmen,

für sich ist er allein,

geteiltes Leben ist 

gefülltes Leben, 

wenig wird viel,

es reicht für alle.

 

Gott wird bleiben,

nie begann er,

nie endet er,

dreieinig 

für Erde und Mensch.

 

Der Mensch

wird bleiben,

geschaffen für ewig,

geboren, um zu sterben,

gestorben, um zu leben,

sterbend und lebend

im Wechsel der Zeiten,

„so erhältst Du, Gott,

 Deine Geschöpfe am Leben“. 

 

Das Drei-Hasen-Fenster im Kreuzgang des Paderborner Domes ist eines der berühmtesten Symbole für Dreifaltigkeit. „Der Hasen und der Löffel drei. Und doch hat jeder Hase zwei.“ Gott ist in sich nicht einsam, er ist Beziehungsgeschehen: Vater, Sohn und Geist. Der eine kann ohne den anderen nicht sein. Das Evangelium nach Johannes behauptet auch: Gott will ohne den Menschen nicht existieren. „Von dem, was mein ist, wird er nehmen, und es euch verkünden.“ 

Das ist die Wahrheit Jesu bei Johannes: „Gott ist uns innerlich, eingeschrieben in unser Herz.“ Und deswegen müssen wir nicht in den Weltraum starten, um ihn zu finden, sondern brauchen ihm nur bis zu uns selbst entgegengehen.“ (Bernhard v. Clairvaux) Die Rede von der Dreifaltigkeit meint so gesehen keine hochtheologische Zahlenspekulation, sondern die Tatsache, dass wir Gottes Atem, seinen Geist in uns tragen, also in sein Beziehungsgeschehen hinein genommen sind.

Nach innen zu hören, dort die Sprache Gottes zu vernehmen, stellt das Leben in ein großes Geheimnis und gibt ihm deshalb Trost und Stärke. Beten heißt für mich deshalb immer weniger, viele Worte zu machen, sondern der Stimme Gottes in meinem Selbst zu lauschen und ihr in den Lebensentscheidungen zu folgen. Gehe ich in die Stille einer Kirche, die Einsamkeit der Natur oder in die Gemeinschaft eines Gottesdienstes, dann kann das Wehen seines Geistes spürbar werden.

Eine Frau, die das sehr stark in ihrem Leben erfahren hat, und die ich aufgrund ihrer leidgeprüften Lebensgeschichte sehr bewundere, ist Rose Kennedy. Von ihren neun Kindern kamen vier durch Unfall, Krieg oder Mord ums Leben, unter anderem der Präsident John F. Ihre Tochter Rosmary war zeitlebens geistig behindert. Der Ehemann und einige ihrer Söhne nahmen es mit der ehelichen Treue nicht so genau. Trotzdem findet sich in ihren Lebenserinnerungen keinerlei Verbitterung. Sie schreibt dort als fast Neunzigjährige: „Für mich bedeutet Glaube das unaufhörliche Bewusstsein der Existenz (des dreifaltigen) Gottes, nicht als einer fernen Wirklichkeit…., sondern als einer, mit der mich eine ganz persönliche Beziehung verbindet. ...Durch diesen Glauben komme ich zu einem neuen Verständnis von mir selbst, sodass Liebe und Glück, aber auch Schicksalsschläge, Kummer, Sorgen und Verlust zu Teilen eines großen Bildes werden, das weit über Zeit und Raum hinausreicht.“ (Rose F. Kennedy, Alles hat seine Stunde, Seite 444)

 


23.05.2012
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